Buch 
Novellen / von Conrad Ferdinand Meyer
Entstehung
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Der Tyrann hatte, während ringsum Alles aufden Knieen lag, die heilige Handlung sitzend und mitruhiger Aufmerksamkeit betrachtet, etwa wie man einefremde Sitte beschaut oder wie ein Gelehrter das aufeinem Sarkophag abgebildete Opfer eines alten Volkesbesichtigt. Er näherte sich dem Todten und drückteihm die Augen zu.

Dann wendete er sich gegen Diana. „Edle Frau,"sagte er, „ich denke, wir gehen nach Hause. EureEltern, wenn auch von Eurer Rettung unterrichtet,werden nach Euch verlangen. Auch traget Ihr einGewand der Niedrigkeit, das Euch nicht kleidet."

„Fürst, ich danke und folge Euch," erwiderte Diana,ließ aber ihre Hand in der des Mönches ruhen, dessenBlick sie bis jetzt gemieden hatte. Nun schaute sie demGatten voll ins Gesicht und sprach mit einer tiefen,aber wohlklingenden Stimme, während ihre Wangensich mit dunkler Gluth bedeckten: „Mein Herr und Ge-bieter, wir durften die Seele des Vaters nicht umkom-men lassen. So wurde ich Euer. Haltet mir bessereTreue als dem Kloster. Euer Bruder hat mich nichtgeliebt. Vergebet mir, wenn ich so rede: ich sage dieeinfache Wahrheit. Ihr werdet an mir ein gutes und