Buch 
Novellen / von Conrad Ferdinand Meyer
Entstehung
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„Grausamer!" stöhnte der Krieger. „Kommt, Vater!Wie möget Ihr länger das Schauspiel unserer Schandegeben?" Er riß den Alten mit sich fort.

„Und du, Diana?" fragte Ezzelin, da er vor fei-nem Stuhle nur noch diese und die Neuvermähltensah. „Begleitest du nicht Vater und Bruder?"

„Wenn du es gestattest, Herr," sagte sie, „habe ichein Wort mit der Vicedomini zu reden." An demMönche vorüber blickte sie fest auf Antiope.

Diese, deren Hand Astorre nicht losgab, hatte andem Gerichte des Tyrannen einen leidenden aber tieferregten Antheil genommen. Bald erröthete das lie-bende Weib. Bald entfärbte sich eine Schuldige, dieunter dem Lächeln und der Gnade Ezzelins fein wah-res und ein sie verdammendes Urtheil entdeckte. Baldjubelte ein der Strafe entmischtes Kind. Bald regtesich das erste Selbstgefühl der jungen Herrin, derneuen Vicedomini. Jetzt, von Diana ins Gesicht ange-redet, warf sie ihr scheue und feindselige Blicke entgegen.

Diese ließ sich nicht beirren. „Schau her, Antiope!"sagte sie. „Hier mein Finger" — sie streckte ihn —„trägt den Ring deines Gatten. Den darfst du nichtvergessen. Ich bin nicht abergläubischer als Andere,