Buch 
Novellen / von Conrad Ferdinand Meyer
Entstehung
JPEG-Download
 

250

„Wenn Ihr, Herr Fagon, den seltsamen Blick gesehenhättet, welchen der Knabe gegen seinen Henker erhob,diesen Blick des Grauens und der Todesangst!" PsreAmiel schöpfte Athem. „Flöhe ich über Meer, michverfolgte dieser Blick! Begrübe ich mich in einen fin-stern Thurm, er dränge durch die Mauer! Verkröcheich mich —"

„Wenn Ihr Euch nur nicht verkriechet, Professor,"unterbrach ihn der Minister, „jetzt, da es gilt, demPöre Testier — denn zu diesem fahren wir und Ihrfahret mit — ins Angesicht Zeugniß abzulegen! HabtIhr den Muth?"

„Gewiß, gewiß!" betheuerte Pöre Amiel, der abermerklich erblaßte und in seiner Soutane zu schlotternbegann. Pore Testier ist selbst in seinem feinen Ordenals ein Roher und Gewaltsamer gefürchtet.

Da wir am Profeßhause ausstiegen, Pöre Amiel denVortritt gebend, sprang Victor vom Wagenbrett, wo erneben dem Bedienten die Fahrt aufrecht mitgemachthatte. „Ich gehe mit!" trotzte er. Argenson runzeltedie Stirn, ließ es aber zu, nicht unzufrieden, einenzweiten Zeugen mitzubringen.

Pore Testier verleugnete sich nicht. Argenson be-