Buch 
Novellen / von Conrad Ferdinand Meyer
Entstehung
JPEG-Download
 

251

deutete den Pater und den Knaben, im Vorzimmerzurückzubleiben. Sie gehorchten, jener erleichtert, dieserunmuthig. Der Pater Rektor bewohnte eine dürftige,ja armselige Kammer, wie er auch eine verbrauchteSoutane trug, Tag und Nacht dieselbe. Er empfinguns mit gekrümmtem Rücken und einem falschen Lächelnin den ungeschlachten und wilden Zügen. „Womit dieneich meinen Herrn?" fragte er süßlich grinsend.

„Hochwürden," antwortete Argenson und wies dengebotenen Stuhl, der mit Staub bedeckt war und einezerbrochene Lehne hatte, zurück, „ein Leben steht aufdem Spiel. Wir müssen eilen es zu retten. Heutewurde der junge Boufflers im Kollegium irrthümlichgezüchtigt. Irrthümlich. Ein durchtriebener Range hatden beschränkten Knaben etwas auf die Tafel zeichnenund schreiben lassen, das sich zu einer albernen Ver-spottung des Pore Amiel gestaltete, ohne daß JulianBoufflers die leiseste Ahnung hatte, wozu er mißbrauchtwurde. Es ist leicht zu beweisen, daß er der einzigeseiner Klasse war, der solche Possen tadelte und nachKräften verhinderte. Hätte er den fraglichen Streichin seinem Blondkopfe ersonnen, dann war die Züchtigungeine zweifellos verdiente. So aber ist sie eine fürchter-