Buch 
Novellen / von Conrad Ferdinand Meyer
Entstehung
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„Ein Schlummerchen, Fräulein! und wenn du dieAugen wieder öffnest, hast du den Bruder, der dichGold und Gut kostet. Das schwöre ich dir!" Er senktedie drei Finger mit einem grimmigen Blicke gegen denErdboden. „Bei dem da unten!" gelobte er.

„Ein glaubhafter Schwur!" sprach eine weiblicheStimme. Rachis wendete sich erschrocken und bog dasKnie vor einer behelmten Frau mit strengen Zügen,die den Speer, den sie in der Hand getragen, einembewaffneten Knechte reichte. Die Richterin mochte ausSchonung für ihr ermüdetes Thier den steilen Burgwegzu Fuß erklommen haben. Sie faßte Palma schützendam Arm und blickte geringschätzig auf den Lombarden.„Schwürest du bei Gott und feinen Heiligen," sagtesie, „so schwürest du falsch; eher schwörst du die Wahr-heit bei dem Vater der Lügen. Habet ihr euch nichtbei allem Göttlichen verpflichtet, ihr Lombarden, niemehr in Rätien zu rauben und zu brennen? Und jetztda ihr, wie alles Böse, vor den Augen des Kaisersflüchtet, schleudert ihr rechts und links verheerendeFlammen! Ich komme von Cur und weiß um eureThaten, Eidbrüchige! Sage du deinem Witigis, dieRichterin würde ihm nachjagen und ihn züchtigen, wenn

T. z. M - v - r , Novellen. II. 20