Buch 
Novellen / von Conrad Ferdinand Meyer
Entstehung
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Speer gelehnt verdrießlich im Schilfe saß und etwasFeindseliges in den Bart murmelte. Ein Lächeln desHohnes glitt über ihr verdunkeltes Gesicht, denn Stemrmkannte die Hilflosigkeit der Abgeschiedenen.

Im ersten Lichte weckte die zwei Schlafenden einjäher Hornstoß und riß sie vom Lager empor. Dergewaltsame Tagruf beleidigte das feine Ohr der Rich-terin. Sie errieth, wen er meldete, und mit schnellemEntschluß und festem Schritte ging sie Wulfrin ent-gegen. Noch vor ihr, den rasch ergriffenen Wulfen-becher in der Hand, war Palma durch die Thür gehuscht.

In das von Rudio geöffnete Thor tretend, standStemma vor dem Höfling, der sie mit verwundertenAugen betrachtete. Das Antlitz gebot ihm Ehrfurcht.Er verschluckte ein unziemliches Scherzwort über sei«durch vier Weiber gerettetes Leben. Bewältigt vondem ruhig prüfenden Blicke und der Hoheit der blaffenZüge sagte er nur: „Hier hast du mich, Frau," woraufsie erwiderte: „Es hat Mühe gekostet, dich nach Nal-mort zu bringen."

„Wo ist die Schwester, daß ich sie küsse?' fuhrer fort und diese, die inzwischen den Becher gefüllthatte, eilte ihm mit klopfendem Herzen und leuchtenden