Drittes Kapitel. Das mittlere Asien.
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Zu grossartiger Wirkung, ja zu dramatischer Bedeutung steigernsich die Löwenjagden. Die königlichen Thiere sind in all ihrer majestä-tischen Gewalt und Schönheit unübertrefflich wahr geschildert, und ihrKampf gegen die überlegene Macht des Menschen, der uns durch alleseine Stadien bis zum heldenmässigen Unterliegen vorgeführt wird, ge-winnt fast einen tragischen Ausdruck. Die Löwen sind die einzigen Heroender assyrischen Kunst. Gewöhnlich aber werden sie uns nicht mehr inder Wildniss, sondern im Zwinger des fürstlichen Jagdgeheges gezeigt.Die Wärter ziehen die Riegel auf und die gefangenen Könige der Wüstebrechen mit Gebrüll hervor, ihren Feind suchend. Dort hält der Herrschermit seinem Gefolge auf klugen, feinen, elastischen Kossen. Der Löweduckt sich zum Sprunge, und Ross und Reiter stehen wie gebannt, desAngriffs gewärtig. Unvergleichlich wahr und lebendig sind nun die fol-genden Scenen geschildert, die stets mit dem Untergange des herrlichenThieres enden. Dort hat sich der Löwe mit Blitzesschnelle auf das Pferdgestürzt und sich in dessen Hals eingekrallt; aber vom Könige gewaltigan der Kehle gefasst, empfängt er im Nu den Todesstoss. Ein andrerLöwe stürzt mitten im Sprunge, von einem Pfeile durch den Kopfgetroffen, zu Boden und streckt verendend die Glieder. Solche Scenenwerden mit immer neuen Aenderungen stets lebenswahr und ergreifendvorgeführt. Da liegt ein todter Löwe auf dem Rücken und senkt die ge-waltigen Tatzen; dort streckt eine Löwin die mächtigen Glieder im Todes-kampfe und reckt sich mit brechender Kraft halb empor, mit einer Wahr-heit des Ausdrucks, dass man das Schmerzensgebrüll zu hören glaubt undvon Mitleid ergriffen wird. Ein andrer Löwe hebt todeswund den Fussund leckt sich die Tatze, wobei diese in der perspektivischen Darstellungder Unterfläche meisterlich behandelt ist; dort schleppt eins dieser präch-tigen Thiere sich mit letzter Anstrengung fort, aber man sieht, dass mitdem Blutstrom, der aus seinem Schlunde hervorbricht, das Leben ent-flieht. Solcher Züge Hessen sich noch manche nicht minder treffende an-führen. — Dann erleben wir die Heimkehr von der Jagd. Rasche Maul-tliiere, mit Netzen und andern Jagdzeug bepackt, schreiten in der Mitteder Jäger. Es folgt ein Zug von Männern, welche die getödteten Löwenauf ihren Schultern tragen. Sie legen dieselben vor dem Könige nieder,der mit seinen Trabanten sie erwartet und, vor einem Altäre stehend,über die am Boden hingestreckten Thiere eine Libation ausgiesst. Musikerschlagen dazu die Harfe, während die Jäger mit aller Gewalt die Jagd-hunde zurückreissen müssen, die sich auf das Wild zu stürzen drohen.So ist überall Leben und Bewegung.
Endlich sehen wir denn auch den König, wie er von seinen Thaten
Löwen-
jagden.
Häusliches
Leben.