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Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart / dargestellt von Wilhelm Lübke
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179
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Zweites Kapitel. Die griechische Plastik. Geschichtliche Entwicklung. 179

dass wir das Werk jedenfalls ins IV. Jahrhundert hinabzurücken haben.Die kühne, leidenschaftliche Bewegung der Nereiden erinnert schon starkan Skopas und seine Kunstrichtung, allein da in dem grossen Friese nochkeinerlei Anklänge an die Reliefs des Mausoleums in dem so nah benach-barten Halikarnass sich finden, so muss das Monument vor diesem Pracht-bau, etwa um 370 v. Chr. errichtet worden sein.* *)

Hier schliessen sich nun unmittelbar die inBudrun entdeckten Sculp-turen vom Mausoleum zu Halikarnass an. Unter allen auf uns gekom-menen monumentalen Werken dieser Zeit stehen sie an Umfang wie anWerth in erster Linie. Schon im Jahre 1522 fand man dort mehrerePlatten eines Relieffrieses aus Marmor; andere Sculpturen, Reliefs sowohlwie namentlich grossartig stylisirte Löwenköpfe, sah man in das KastellS. Pietro vermauert, welches die Johanniter von Rhodus hier errichtethatten. Dass Budrun die Stätte des alten Halikarnass bezeichne, warlängst bekannt, dass aber jene Festung auf der Stelle des hochberühm-ten Mausoleums und aus den Trümmern desselben errichtet sei, habenerst die durch Ch. Newton geführten Nachgrabungen der neuesten Zeitunzweifelhaft festgestellt.**) Wir verdanken diesem mit glänzendem Er-folg gekrönten Unternehmen also die Reste jenes Wunderbaues, welchen

Entlehnung bleibt also kaum zu bezweifeln, da das anscheinend Primitivere inXanthos als provinzielle Modification anzusehen ist, und das kürzere, etwa demNiketempel entsprechende Yerhältniss der Säulen durch die besonderen Formen desMonumentes, die weiten Intercolumnien und den nicht minder weiten Abstand vonder Gellenmauer constructiv bedingt war.

*) Erst nach Vollendung des oben Erörterten gehen mir die Verhandlungender XIX. Philologen-Versammlung zu, welche den Vortrag von Urlic/is über dasNereiden-Monument enthalten. Seine Deutung desselben, als eines Siegeszeichensfür die Eroberung von Telmissos durch die Xanthier unter Führung eines Fürstenaus dem persisch-medischcn Geschlechte des Harpagos, giebt, wie mir scheint, dieendgültige Erklärung des Denkmales. Da jener Feldzug etwa Ol. 101 stattfand,so wird hier von historischer Seite bestätigt, was sich mir für die Datirung desWerkes aus der künstlerichen Betrachtung ergeben hatte. Wenn dagegen Urlichs dieVermuthung aufstellt, dass Bnjaxis der Meister der Sculpturen sei, so scheint dasAlter dieses Künstlers einer solchen Annahme zu widersprechen; denn w'enn der-selbe, der zwanzig Jahre später neben Skopas am Mausoleum arbeitete, schon mit25 Jahren Aufträge in fernen Gegenden gehabt haben soll, wie das Monument zuXanthus und die Bildsäulen des Apollo und Zeus nebst Löwen im benachbartenPatara, so ist das minder wahrscheinlich als anzunehmen, dass er erst durch seineArbeiten am Mausoleum in diesen Gegenden bekannt und mit selbständigen Auf-trägen in Patara betraut worden sei.

**) Vergl. C. T. New Ion, a history of discoveries at Ilalicarnassus, Cnidusand Branchidae. London 1802. Fol. u. 8.

Mausoleum

von

Ilalikarnass.

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