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Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart / dargestellt von Wilhelm Lübke
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180
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Gestalt desDenkmals.

Ueberreste.

180 Zweites Buch.

die Königin Artemisia von Karieu als Grabmal ihres 353 v. Ohr. ge-storbenen Gemahls Mausolus errichten liess. Es ist wahrscheinlich, dassder König selbst schon bei seinen Lebzeiten den Bau hatte beginnenlassen. Dass die Ausschmückung desselben erst nach dem Tode derArtemisia (351) vollendet wurde, berichtet Plinius. Denn er erzählt, dassSkopas sammt drei andern attischen Künstlern berufen worden sei,das Denkmal mit Bildwerken auszustatten; als aber die Königin vor derVollendung desselben gestorben, seien die Künstler ihres eigenen Ruhmeswegen geblieben, um die Arbeit zu Ende zu führen.

Das Denkmal wird als ein von einer Säulenhalle umgebener recht-winkliger Bau (Pt-eron) geschildert, der von einer eben so hohen Stufen -Pyramide tiberragt wurde. Auf der Spitze der letzteren krönte eine ko-lossale marmorne Quadriga mit dem Standbilde des Mausolus das Ganze.Letztere war von Pylhis gearbeitet, der wahrscheinlich auch der Ar-chitekt des Baues war. Während man nun bisher nur eine Anzahl vonRelieftafeln von Budrun besass, deren grösserer Tlieil im Britischen Mu-seum zu London, deren kleinerer in Genua beim Marchese di Negroauf bewahrt wird, sind als Ergebnisse der neuesten Ausgrabung nichtallein neue Relieftafeln zu den alten ins Britische Museum gelangt, son-dern eine grosse Anzahl von andren Sculpturwerken schliesst sich daran,die zum Theil noch der Zusammenfügung harren. Denn in welchem Zu-stande von Zerstörung die meisten dieser Werke gefunden wurden, magman daraus abnehmen, dass die Kolossalstatue des Mausolus aus drei-undsechzig Bruchstücken zusammengesetzt werden musste, und dassgleichwohl nichts von ihr fehlt als der linke Fuss und beide Arme. Dasgrossartige Denkmal muss zwischen dem XII. J ahrhundert, wo Eustachiuses noch als ein Weltwunder preist, und dem Jahre 1402, wo die Jo-hanniter den Platz in Besitz nahmen und ihre Burg zu erbauen begannen,durch ein Erdbeben zerstört worden sein. Denn die Trümmer der ganzzerschellten Quadriga fand man umhergeschleudert wieder; von den zwölfFuss langen Rossen derselben sind bedeutende Bruchstücke erhalten.Ausserdem fand man, mehr oder minder erhalten, zwölf Marmorlöwen,einen kolossalen Widder, eine Anzahl von Resten einzelner Statuen, denendie Restauration ihre Stellen zwischen den Säulen des Pterons an weist;ferner bedeutende Bruchstücke von Reiterstatuen, welche Newton auf dievier Ecken des Stufenbaues vertheilt, der die Basis des Ganzen bildet;endlich sind die Platten des Frieses von zwölf auf sechzehn vermehrtworden, welche in Verbindung mit dem in Genua befindlichen Stückeeine Gesammtlänge von 85 Fuss 9 Zoll ausmachen. Da nun Newtonin seiner und des Architekten Pullan Restauration dem Unterbau eine