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Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart / dargestellt von Wilhelm Lübke
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181
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Zweites Kapitel. Die griechische Plastik. Geschichtliche Entwicklung. 181

Ausdehnung von 88 Fuss 6 Zoll Breite bei 119 Fuss Länge giebt, soist uns selbst von dem Friese nicht einmal der vierte Theil mehr er-halten. Ursprünglich also war der Fries von einer Ausdehnung (415 Fuss),die nur noch vom Parthenonfriese übertroffen wurde. Dazu kam aberausserdem eine so reiche Ausstattung mit plastischen Werken aller Art,mit Löwen, Einzelstatuen, Reiterbildern bis zur Kolossalquadriga desMansolus auf der Platform der Pyramide, dass allein schon die Prachtder Ausstattung das Monument zu einem der glanzvollsten des Alter-thums, zu einem Wunderwerke deijj Welt erhob.

Wenn wir nun die einzelnen Regte näher in’s Auge fassen, so dürfen Der Frieswir nicht verhehlen, dass dieselben von gar verschiedenem Werthe, sind.

Das gilt vorzüglich von den Friesen. Sie behandeln das alte Lieblings-tliema der attischen Plastik: eine Schlacht der Griechen mit den Amazonen.

Letztere führen zum Theil den Kampf von ihren Rossen aus, wodurch dieStelle des Lucian ihre Bestätigung findet, der am Mausoleum „Bilder vonMännern und Pferden“ bezeugt. Die schönsten dieser Relieftafeln — unddazu gehören sowohl die in Genua als auch die Mehrzahl der im brit.

Museum befindlichen — zählen unbedenklich zu den trefflichsten Werkengriechischer Kunst. An Adel der Formbildung werden sie nur von denSculpturen des Theseion und des Parthenon übertroffen, an Feuer, Kühn-heit und Gewalt, sowie an Reichthum der Erfindung nur von denFriesen zu Phigalia. Im Stylcharakter stehen sie keinem einzigen Werkedep griechischen Plastik so nahe, wie dem Fries am Niketempel zuAthen; ja Alles deutet daraufhin, dass wir in dem Friese von Halikamassdie weitere Entwickelung der plastischen Richtung zu erkennen haben,welche jenes kleine, anmuthvolle attische Denkmal vertritt. Dies giltnicht blos von den einzelnen Gestalten, deren man mehrere von fastübereinstimmender Haltung nacliweisen kann, nicht allein von der fliessen-den Behandlung der Gewänder und der schlanken Körper, sondern weitmehr noch von der Linienführung der ganzen Gruppen, die in rhythmischerGegenbewegung, in einer reichen, durch geistvolle Unterbrechungen nocherhöhten symmetrischen Entsprechung angelegt sind. Wahr ist es, dassmehrere der Platten in der Composition etwas flüchtig, selbst durch diehäufige Wiederholung desselben Motives matt erscheinen; allein ähnliche •Ungleichheiten zeigen alle Werke mit Ausnahme des Parthenon- und desPhigaliafrieses, zeigen namentlich die Sculpturen vom Theseion und vomNiketempel. Wenn nun diese Platten uns vollständiger erhalten wären,wenn wir die, solchen matteren Stellen sich anschliessenden Gruppenbesässen, so würde das harte Urtheil über , jene sich wohl beträchtlichmildern, und man würde sich nochmals bedenken, ehe man, wie es

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