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Zweites Buch.
liegen; dass weder in Athen noch in Sikyon, noch in anderen StädtenGriechenlands Namhaftes geleistet wird, dass vielmehr fremde MonarchenKunstwerke nach Athen stiften oder dort neue Gebäude errichten, währenddas Volk in Apathie versunken ist.
In Athen wüssten wir nur ein Werk, obendrein am Ende dieserEpoche, namhaft zu machen: die Reliefgestalten der acht Winde, am Friesedes von Andronikos aus Kyrrhos erbauten „Thurmes der Winde.“Die Charakteristik dieser Gestalten giebt recht lebendig das rauhere oderweichere, das stürmische oder milde Wesen der verschiedenen Windewieder*); doch die Anordnung, namentlich die schwebende Bewegung,verräth eine gewisse Schwerfälligkeit, und die Behandlung leidet an Mat-tigkeit. Wenn daher Plinius in einer bekannten Stelle sagt, nach der121. Olympiade habe die Kunst aufgehört und erst in der 156. Olympiadesich wieder erhoben, so hat der Satz eine gewisse Wahrheit. Dennochist die Lebenskraft der griechischen Plastik so ausdauernd, dass selbstin dieser Zeit noch einzelne Werke geschaffen werden, die eine ganzneue Saite Anschlägen und also in gewissem Sinne sogar eine weitereFortbildung bezeugen. Wo finden wir aber die bedeutendsten Erschei-nungen der Kunst dieser Epoche? In der üppigen Handelsstadt Rhodosund am Hofe zu Pergamos; wo es also galt, ein verweichlichtes Pu-blicum von reichen Kaufleuten oder von verwöhnten Fürsten sammtihren Hofleuten durch ungewöhnliche Mittel eines gesteigerten Ausdruckszu befriedigen. Eine ganz ähnliche Erscheinung bietet uns im späterenXVI. Jahrhundert die venezianische Malerei, die noch ein Menschenalterlang sich in glänzender Blüthe erhielt, nachdem die übrigen italienischenSchulen längst manieristischer Erschlaffung verfallen waren.
Nur wenn wir diese Stellung der Kunst erwägen, verstehen wir ganz dieBedeutung ihrer Leistlingen, im Vergleiche mit denen früherer Epochen.Fragen wir aber, was ein solches Publicum vorzüglich interessiren muss, sowird es das sinnlich Reizende, das pathetisch Affektvolle sein, im Bunde mitvirtuosenhafter, auf raffinirten Effekt zielender Behandlung. Das findenwir denn auch in den Meisterwerken dieser Epoche. Dass aber, vondiesein Standpunkte der Betrachtung, die besten Leistungen der Zeit über-haupt zum Trefflichsten gehören, was wir aus dem Alterthume besitzen,muss hier sogleich, um einen unrichtigen Maasstab zurückzuweisen, ganzbestimmt betont werden. Vergessen wir nicht, dass darunter* Werke sind,welche Winckelrnann noch zu den vorzüglichsten Schöpfungen des Altcr-thums rechnete, und deren höchste Verehrung erst durch das Bekannt-
*) Abbild, bei Stuart, antiquities I, eh. 3.