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Geschichte der Plastik von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart / dargestellt von Wilhelm Lübke
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Mediceische

Venus.

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Zweites Buch.

Keule, welche von der Löwenhaut bedeckt wird. In der rechten, auf denRücken gelehnten Hand hält er die Aepfel der Hesperiden. Auch hier istdie Anlage der Formen eine überaus grossartige und die Gestalt nichtbloss durch den kolossalen Maasstab, sondern mehr noch durch die über-mächtige Bildung der Glieder zur Idealform eines Halbgottes gesteigert.

Auch lässt die übermässige Kleinheit desKopfes, verbunden mit der übertriebenen Breiteder Schultern, der Brust und der Schenkel,sich als Charakteristik des Heraklestypus recht-fertigen. Die schwülstige Art dagegen, mitwelcher seine Muskulatur mehr äusserlichtäuschend als von innerer Kraft erfüllt sichprahlerisch zur Schau bietet, darf man sichernicht dem Original des Lysippos, sondernnur der übertreibenden 'Manier des Glykonbeimessen.

Ein drittes gepriesenes Hauptwerk dei-nen-attischen Schule ist die Statue der medi-ceischen Venus, von Kleomenes, ApollodorosSohn, aus Athen (Fig. 94), in der Tribuna derUffizien zu Florenz. So hoch dies Werkdurch weichen Schmelz flcr Behandlung, durchden harmonischen Rhythmus der Linien, durchdie zarte Schönheit jungfräulich schlanker For-men steht, so weit bleibt es der Empfindungnach hinter den Werken der früheren Zeit zu-rück. Hier ist nicht, wie in der,Aphrodite vonMelos (S. 136) die Schönheit einer Göttin inihrer unbewussten Hoheit dargestellt; mansieht nur die Reize einer koketten Frau, diedurch die scheinbar verschämte Haltung denBewunderer herausfordern möchte, nachwelchem sie eben sich umschaut. Denn ge-rade dieser Blick und diese Wendung desKopfes rauben, in Verbindung mit der Haltung der Arme, der an sichso vollendet schönen Statue den höchsten Zauber, den der keuschen Un-befangenheit. Die überaus grosse Anzahl der Nachbildungen diesesWerkes beweist zur Genüge, wie sehr dasselbe dem Geiste seiner Zeit ent-gegen kam. Uebrigen^ tliun wir wohl Unrecht, solche Statuen, in denendas Thema der weiblichen Schönheit wie hier in rein genreliafter Weise

Fig. 04. Mediceische Venus.Florenz.