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Das Pferd und die Pferdezucht, oder Beschreibung der merkwürdigsten Racen, der Eigenschaften, Vollkommenheiten und Fehler, so wie der Zucht, Fütterung und Wartung der Pferde in verschiedenen Ländern / von Heinrich Gustav Flörke
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Pftt-d. 749

Die Weide liegt tief und eben, und ist dahersehr oft den Uederschwemmungen der Donau aus,gesetzt. Sie hat hie und da stehende Sümpfe undviel saures Gras. Ich fand sehr viele sogenannteLüheurer, die man daselbst Schmazkühe nenntauch Tolldeere und die Wolfsmilch. Die Weide istnach jedem Alter und Geschlecht abgetheilt, und ein»geschränkt. Fünf Abtheilungen sind für die Zucht--stuien. In jeder dieser Abtheilungen gehen ro, 12,höchstens »Z Stuten von gleicher Farbe, und diesenwird allereit ein Beschäler von gleicher Farbe zuge-theilt Dieser wirb den 26. April zu den Stuten ge-lassen, geht frey unter ihnen, und bleibt Tag undNacht bis den iz. Junius bey ihnen. Er wirb täg-lich zur Fütterungsstunde von einem Wärter mitHafer unter der Schupfe gefüttert.

In jeder der Z Abtheilungen ist eine Schupfeund nahe bey derselben eine Hütte für den Wächterder Abtheilung, welcher nicht nur die Pferde fleißigvisitiren, den Beschäler füttern, sondern auch dieSchranken visitiren, und das fehlende anzeigen, oderausbessern muß.

Jede Abtheilung hat ungefähr den Umfang voneiner halben Stunde.

Sehr schön ist es anzusehen, wie der Beschälerseine Stuten in Gehorsam hält. Sobald sich jemandFremdes, besonders aber Pferde, den Schranken nä-her», so tritt der Beschäler mir stolzem Schritte her-vor, betrachtet den Gegenstand eine Weile, undtreibt alsoann alle seine Stuten in die Schupfe.Wenn eine seine Befehlen nicht gehorchen will; solegt er die Ohren zurück, streckt den Hals aus, sperrtdas Maul auf, und geht mit einem gebieterischenSchrey schnell um dieselbe herum^ worauf sie sogleichzu den übrigen geht. Manchmahl, wenn er unge-duldig wird, beißt und schlägt er auch nach seinenWeibern.

Gewöhnlich werden von den zugetheilte» Stu-ten, zwey Drittel, öfters auch die ganze Anzahl

träch-

') Auch Zeitlose, Michelsblume, Herbstblume, wilder Sa-fran genannt. (Loicllicnm »iilumnLle Ist ein

äußerst schädliches, sehr giftiges Gewächse für Pferde undRindvieh, wovon man schon viele traurige Beyspiele er-lebt bat Das kranke Vieh fällt unter Zuckungen. DerGenuß solches Fleisches Menschen und Hunden schädlich.