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Monatschrift für Helveziens Töchter / von Leonhard Meister
Entstehung
Seite
20
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wer dieß thut, bleibt immer in Gunsten. Wirklichtrit sie jeden Augenblick mit irgend einem neuenSpiel auf, bald mit einer Zauberlanterne, bald mitTaschenspiel, bald mit Opcrnverwandlung. Auchbey verschlossenen Thüren und Fenstern bringt sievor das Auge der Gebieterin lebendige Ansicht derentferntesten Zeiten und Weltgegenden; sie erwecktaus der Gruft Todte, und winkt Ungebohrne insLeben. Um indeß nicht Bankcrot zu leiden, odersonst Spielball der verschwenderischen Zofe zu wer-den, sczt Monade dieser Favoritin einen Hofmeisterzur Seite. Zwischen beyden giebt es Gezänke.Wenn er zu bedächtlich und kalt ist, so ist sie zuvoreilig und lebhaft. Wenn er Altes zu Rathe hält,so zerreißt sie Alles in Stücken. Mit Mühe hält sieder treuherzige Alte in Schranken. Behutsam legt erdas Erworbene seitwärts, um jedesmal desto genauerjedes Stück, nur das Nöthige hervorlangen zu kön-nen. Eigensinniger Pedant, wenn er zu lange, wenner ausschliessend an gleichem Punkte klebt: KlugerHaushälter hingegen, und Meister über die Zofe,wenn er, nach Prüfung des einen Stückes, auchdas andere ins Auge faßt, und alles, wie jedes,besorgt! Nicht selten beschämt er alsdenn die Zofe.Bey seiner Elle und Wage entdeckt sie, daß dasjenige,was ihr groß schien, klein, oder, was ihr kleinschien, groß war. Er hat zween Commis. 6.) Im-mer sind sie beschäftigt, Stück vor Stück die Waarenru sondern, und gleiches zu gleichem zu legen. Allen

weisen