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Monatschrift für Helveziens Töchter / von Leonhard Meister
Entstehung
Seite
130
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wollen. Die eiteln Phantasien verdünnen, und alscsput moituum bleiben Eigenliebe und Selbstsuchtzurük. Nota bcne, vorerst muß sich die Dame ausserdie Atmosphäre von Tändlern und Schmeichlern hinausftjen , oder die Operazion schlägt fehl. Nota bene ganzfehl schlägt sie, wenn man sich dabey verfälschter Dro-guen, einer unächtcn bloß afekkirtcn Bescheidenheit undGüte bedienet. Anstatt der heitern reizenden Mine,entsteht alsdenn ein schales Lächeln oder schmachtendesMaulhängen, und manche andre höchst widerliche Gri-masse. Wenn hingegen die Ingredienzien wirklich gut,rein und ächt sind, so vertreibt die Operazion so woldie Leblosigkeit als den höhnischen Ucbermuth; sieverschönert die Schönheit, und giebt selbst einem nichtschönen Gesichte Liebreiz und Anmuth. Ein besondererVorzug einer solchen moralischen Schönheit bestehtLarinn, daß sie weit weniger Gefahren ausgesezt ist,als die bloß sinnliche. Diese lcztre nämlich sezt sichWechselweise der Verführung und der Tadelsucht aus;die erstere hingegen ist nicht nur eine Zierde, sondernauch eine Brustwehr der Tugend. Eine Bemerkung,die, wenn sie auch den Schönen entgehet, doch hoffent-lich einem Vater und Gatten so leicht nicht entgeht.Zu Gunsten von diesen cmpfchl ich noch zum Beschlusseein anderes Beförderungsmittel der Schönheit. Esbesteht barmn, daß sie bey Zeiten die Gattinnen undTöchter theils an freywillige und freudige Aufopferungeingebildeter Bedürfnisse, theils an regelmäßige Ord-nung gewöhnen. Nichts ist nachtheiliger für Schön-