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Monatschrift für Helveziens Töchter / von Leonhard Meister
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141
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Mlt Gesang dir belohnen Muttcrtreie.

In das kühle Gebüsch will ich dich sichren ,

Dir ein räumliches weiches Ncstchen bauen,

Dir ins Ncstchen das beste Futter t»agen.

Willst du freyer in hohen Lüsten athmen,

Nun/ so pfleg ich die Jungen selbst vcy Hause.

Wie ? du hörst mich, du schmiegst dich am mich traulich lUeberschattet von mir, sträubst du niclht längerDich. Wir schnäbeln uns. Ach nur, acch, im Traume!Mit dem Traume verschwindest auch tdu. EinsamWach ich auf, und erwache hinten« Gitter.

Nein, Doris, das Kläglich se;' ich wicht fort; nein,damit verschone ich Ihnen, wie seit wer Einspcrrungdes Männchens dem Weibchen und idcn vcrwäistcnJungen das Herz brach. Und wozu denrn der Jammerund das Elend dieser kleinen holden Familie? O ja,dazu, daß für einen Augcnblik uns ein Liebchen ergöze!Sie errathen, Doris; gerührt öffnen Sie dem Ge-fangnen den Kerker. Nein, schlieffen Sie ihn schnellzu'. So süß die Freyheit ist, so gefährlich, so ver-derblich ist nach langer Beraubung derselben plözlicheEroberung der Freyheit,

Wahrheitscheue.

wol, eine eben so fatale Krankheit ist sie für dirSeele, als z. B. für den Körper Wasserscheue oderLichtscheue. In ihrem kleinsten Grade äußert sie sich