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Monatschrift für Helveziens Töchter / von Leonhard Meister
Entstehung
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142
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durch Mangel an Geschmak für die Wahrheit, durchMangel an Apetit des Geistes, (wenn ich so sage»darf) durch Ekel und Unlust, durch Unverdaulichkcit.Eine natürliche Folge ist diese Erschlappung von dergeringen Bewegung und Uebung der Dcnkkraft. Be-dauyenswirdige Kranke! Nicht nur schwächt sich beyihnen die Kraft, sondern sie verliert sich. Am Endegerathen sie in den sonderbarsten Zustand; sie hörenwirklich auf, Menschen zuscyn, und verwandeln sichin eine Art Thiere und Pflanzen, die von der Men,schcnnatnr nichts beybehalten, als die Gestalt. Beson-ders zahlreich sind solche Kranke, theils unter einemweniger gemäßigten Himmelsstriche, theils unter einerweniger gemäßigten Regierung; am zahlreichsten unterden vergiftenden Schatten der sieben Hügel von Rom^und der sieben Thürme von Konsiantinopel.

In ihrem höchsten Fieberanfalle äusscrt sich dieWahrhcitscheve nicht bloß durch Mangel an Avpetitdes Geistes, sondern durch heftiges Erbrechen. So-gleich beym entferntesten Gerüche von geistigen Speisenentsteht hiczu der Reiz, und unter gewissen Umständenbesonders bey Personen von hoher Geburt oder vongrosser Stärke ist das Erbrechen mit Convulsionenbegleitet. Gleichsam wie von den Furien der Höllebesessen, greiften die elenden Patienten nach Fakelnund Dolchen. Unheilbar ist ihre Krankheit. Links undRechts schlagen sie rund um sich her, und trctten diewohlthätigsten Arzneymittel und die Aerzte mit Füssen»