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Monatschrift für Helveziens Töchter / von Leonhard Meister
Entstehung
Seite
143
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Bey Patienten ohne Geburt und ohne vorzüglicheStärke äussert sich die Krankheit durch den Abscheuvor jeder anocrn, als der nun einmal gewohntenNahrung. Ungewohnt, scheint ihnen selbst AmbrosiaArsenik, und Nektar Agua Tofana. Umsonst verlangtman, daß sie näher Hinsehen! Sie besorgen Vergif-tung. Nein, sie wenden das Gesicht ab ; sie sind soängstlich, daß sie auch andre nicht hinsehn lassen; sieruhen nicht, bis der fremde Kram, der vorgeblicheStof zur Anstekung ganz seitwärts gcschaft ist. O derBlödsinnigen! Mögtcn sie doch auf die gewohnte Diäteingeschränkt bleiben, wenn sie dabey gesund und starksind! Dabey aber sind sie nicht stark und gesund; augen-scheinlich zehren sie ab; sie kommen andern Menschen,die sich besser nähren, in den Geschäften und auf demWege nicht nach. Dagegen wenden wir nichts ein,daß ihnen die gewohnte Diät lieb ist: nur wünschtenwir, daß sie auf dieselbe nicht sklavisch eingeschränktbleiben. Indem sie auch noch im Alter, wie in derKindheit, indem sie auch noch beym männlichen Wachs-thumme, wie in der Wiege sich nur mit Muttermilchnähren, so verwahrlosen und verkrüppeln sie sich.Indem ihnen jede andere, als die gewohnte Speise,Gift scheint, so verpflanzen sie sich nicht ohne Gefahrausser den Umkräis ihrer Bannmeile, und sie ver-schmachten vor Hunger, so bald die gewohnten Nah-rungsmittel entweder gebrechen, oder nicht hinläng-lich sind. Weh also den Aeltcrn und Lehrern, wennsie den Zögling nicht schon bey der ersten Erziehung