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Monatschrift für Helveziens Töchter / von Leonhard Meister
Entstehung
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149
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sich Hegen uns jene Römerinnen, was selbst jene In,dianerinnen ? Diese leztern, sagt man, stürzen stchmit der Leiche des Gatten lebendig in den flammendenHolzstoß. Mehr nicht, als ein Vicrtelstündchen bcdarfsdazu. Wir hingegen, o, das ganze lange Leben hin-durch braten wir uns in Feuer und Flammen. Inununterbrochenen hcissen Unruhen martern wir uns,wir armen Opferlämmer, mit Ausschmükung derGestalt, und mit feyerlicher Ausstellung derselben.Indem wir unter Schnüren und Banden die Brustund den Wuchs, und im engen Schuhe den Fußpeinigen, üben wir nicht weniger Sclbstverläugnung,als der Fakir bey den Kastcyungen. Indem wirStundenlang unter dem glühenden Eisen des Friseursund vor dem Verhöre der Puzmachcrin schmachten, leidenwir nicht weniger als auf der Folterbänke. Indemwir mit Essenzen und Schminke die Haut verwunden,beweisen wir nicht weniger Hcldcnmuth, als die iroke-sischen Krieger. Kurz, unser ganzes Leben, wasanders ist es, als Marter, als langsame Hinopfe-rung ? Wenn wer keine Mühe und Beschwerlichkeit,keinen Aufwand an Geld und Zeit, wenn wir selbstunser Verderben und das Verderben unsrer Familienicht scheuen, so geschieht es aus Heroismus; esgeschieht aus der Ueberzeugung, daß es süß sey, fürdas Vaterland sterben. Ja, mein Herr, dem Vater-lande , der Welt vvfern wir uns auf. Wenn wir allerErfindungskraft und allen Talenten aufbieten, so th>unwies einzig in der Absicht, der Welt ein reizenvrsM