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Schauspiel zugeben; wir thun es zur Erregung undVerbreitung der edelsten Empfindungen, der Empfin-dungen der Freude und Wonne, der Liede und derBewunderung. Mit Entzükcn lobpreiset man die Mei-sterstüke der Kunst: Und was anders ist eine eleganteDame, als ein lebendiges Kunstwerk, ein wandelndesBild und Gemählde? Herrlicher glänzt sie bey Tische,als kein Schaugcricht; im Schauspielhause ist sie selbstdas bezauberndeste Schauspiel; auf dem Spaziergangedie bunteste Blume und der lieblichste Wohlgeruch.Mit süsscm Erstaunen begaft man die Opernverwand,lungen: Und was anders ist das Leben der Dame,als Opcrnverwandlung, als Zauber-und Feensviel?Wechselweise erscheint sie in idyllischer Einfalt und inhohem lyrischen Fluge; wechselweise als Schäferinund als Prinzcßin; jzt in einem Kopfpuze, der sie zurkolossal,,chen Gottheit erhöht, und jzt in einem andern,der sie zu Amors Kindcrgestalt herabsezt. BemerkenSie dieß auch, daß, wenn die Dame auf solche Weifesich Gewalt thut, sie es nicht, wie jene Römerinnen,bloß zu Gunsten des Gemahls thut; für das gemeineBeste thut sie's; sie thuts für die Welt. BemerkenSie ferner, daß sie ihr eben so schweres als kostbaresSpiel gratis und pLk ckante spielt. Ein schöneres,mannigfacheres Spiel giebt es nicht. Oder vereinigtdie Dame nicht jeden abwechselnden Zauber so wol dertragischen ats der komischen Muse? Gleich jenerbewaffnet sie sich mit Dolchen und Pfeilen; sie ver-wundet und tobet; sie schleudert aus dem Feuerauge