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Monatschrift für Helveziens Töchter / von Leonhard Meister
Entstehung
Seite
162
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,, Umnuth sterbe, ja, vor Unmuth mitten im Glänze eines Glükcs, das allen Begriff übersteigt. Ich war jung und hübsch; ich genoß die Freuden des,, Lebens; aller Orten war ich willkommen. Das,, reifere Alter verflog mir in der geistreichsten Gesell-» schaft. Und nun, auf dem Gwfel der Hoheit,,, bcthcur' ich Ihnen, liebes Kind, daß mich das höchste Glük nichts anders zurükläßt, als abschcu- liehe Leerheit. Eines Tages sagte sie seufzend zu ihrem Bruder, dem Grafen d'Aubigne : Länger halt' ich es nicht aus. O, ich mögte todt seyn lDrolligt erwiederte er: ,» Sie haben also das Wort zu einer gläiiMdernder Hcyrath über den Sternen!,»Beym Absterben des Königs zog sie sich mit einemGehalte von 80000 Livres nach St. Cyr, ihrer eignenStiftung, zurük. Sie starb im I.

Ninon Lenclos.

Die Tochter eines Lautenfpiclers. In ihrem sechs-zehnten Jahre erhielt sie von dem Kardinal Richelieuein Gehalt von 2000 Livres. Von nun an that sieVerzicht auf Hymens hochzeitliche Kränze. Mit derfrcycstcn Lebensart aber verband sie den edelstenAnstand; sie verband mit dem Genusse der Sinnenden Genuß des Geistes und höherer Weisheit. Zuihr drängten sich die Grossen des Reiches und die Günst-linge der Musen. Niemals verkaufte sie sich. Wennsie sich hingab, so geschah es aus Gcfchmak und vonHerzen. Standhaft lvar ihre Freundschaft, nicht ihre