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Monatschrift für Helveziens Töchter / von Leonhard Meister
Entstehung
Seite
165
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Kopf. Dieses Unglük machte die Ninon etwas ernstehafter, hinderte sie aber nicht in dem Genusse desLebens. Welch ein sonderbares Gemisch von Leichtsinnund Tugend! Als der Herr von Gourville, freylichnur sehr kurze Zeit Colberts Nachfolger, sich im I.1661 vor dem Strange aus Frankreich wcgflüchtete,ließ er zwey Käsigen voll Silber zurük, das eine inder Hand der Ninon, das andre in der Hand einesFrümmlings. Bey der Zurükkunft fand er bey jenersein Käsigen ganz wol aufgehoben; bey diesem hin-gegen nicht so. Er gab sich den Schein, als hätte erdas anvertraute Gut zu Licbessicuern verwendet.

Vergessen dürfen wir nicht, daß nach ihrer Erhö-hung Maintenon ihrer Ninon eingedenk war. Sieversprach ihr ein glänzendes Glük, jedoch unter derBedingung, wofern sie hübsch fromm werden wollte.Ninon antwortete: Ich bedarf weder der Glüksgütcrnoch einer Larve.

Der Abbe von Chateauncuf war es, mit dem sieden Roman ihres langen Lebens beschloß. Zween oderdrey Tage ließ sie ihn schmachten. Er fragte nach derUrsache der Verzögerung, und erhielt folgende Ant-wort : Ich verspäte das fcycrlichc Spiel auf meinenGeburtstag. Gerade zur Stunde des galanten Rendez-vous erreich' ich mein siebzigstes Jahr. Weiter triebsie den Scherz nicht, und der Abbe blieb, wievor,ihr innigster Freund. In dem fünf und achtzigstenJahre wurde ihr Voltaire dargestellt, und sie bestimmteihm in dem leztcn Willen zweytauscnd Franlken zu