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Monatschrift für Helveziens Töchter / von Leonhard Meister
Entstehung
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194
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Der alte Doktor Murrner bietet seinen ganzen SakGelehrsamkeit für eine Dose Frölichkeit an.

Herr Poligraph empfiehlt den Buchhändlern einenStoß fertiger Schriften. So z. B. hat er Mordgefchich-tcn, um damit sein Leben durchschleppen zukönncn; Er-bauungsbüchcr, um Geld für die Zeche zusammeln;Finanzcntwürfc , um sich vom Bettel zurctten.

Bey durchgängigem Mangel an alten ächten Liebes,pfcilcn crsczt man sie in einer galanten Krambudc mithölzernen Bolzen, die entweder mit goldenen Haken undbunten Pfauenfedern ausgeschmükt, oder in bcraufchen-bcs Opium getaucht sind. dlö. Auf lange verwundensie nicht. Wenn man nicht wohl damit umgehen kann,so kömmt man in Gefahr der Vergiftung.

III. Zum Ausmiethen.

Da seit der Untreue des Scladon das Herz der Me,lissa wieder leer steht, so trägt sie es von neuem zumAuSlehnen an. Man behält es aber nur so lang, alskein höherer Preis angeboten wird. Das Her; ist aufdem Limmatpla; zucrfragen. Nur hin und wieder,bloß auf der Oberstäche gestreift.

IV. Verlorene und gefundene Sachen.

Lcztern Donnerstag Abends bey der Dämmerungverlor sich an den Ufern der Limmat ein Seitenblik. Umbemerkt fiel er bey den blizcnden Steinfchnallcn einesjungen Herrn zu Boden. Eben daselbst verlor sich dasHer; eines jungen Herrn in dem Blumenstrausse desreizendesten Mädchens. Er bittet entweder um dieZurükstcllung^ oder um Austaufchung.

Den Mutterwiz verlor ein aufbrausendes Genieunter einem Chaos von Romanen.

Einem Frauenzimmer ward neulich in dem Augen-blike, da es aus dem Zimmer trat, unter argemLächeln ihr ganzer guter Name entwendet.