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Monatschrift für Helveziens Töchter / von Leonhard Meister
Entstehung
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211
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mern: allein auch in ihrem cingenen häuslichen Reiche,auch beym Spiegeltische, beym Thectische, in der Küche,im Speisezimmer hängt unendlich viel bloß davon ab,ob und wie sich die gnädigen Frauen und Fräuleinsbeym Aufstehn beschuht haben? Wenn sie das eine malso frölich, das andere mal so finster aussetzn, so würdeman sehr unbillig den Grund davon sogleich in phan-tastischem Eigensinne suchen. Nein, Ihr HerrenPhilosophen, der kluge Gemahl und die verschmizteKammerzofe wissen es besser. In solchem Falle hört'ich sie einander ins Ohr zischeln : » Madame zog heule nicht den besten Schuh an! Der Schuh magnoch so gut seyn, je nun, immer noch kömmts aufsAnziehen an. Daß z. B. hiebcy jeder andere eben sogcschikte Dienste thun werde, als ein junger Cisisbeo,dieß wird schwerlich eine Schö-ne behaupten.

Noch melde ich Ihnen, daß mein Schwiegervaterauf eine neue Art Pantoffeln für solche Weiber studiert,die ihre Männer gerne unter dem Pantoffel festhaltenmögten. Nur ist er über ihre Einrichtung verlegen.Seine Frau schlägt eine sthwcrc Sohle mit spizcnSchuhnägeln vor. Bey diesem Vorschlagt erinnerteer sich des Rcuterstieftls, mit welchem Karl XII.Schweden regierte. Mein Weibchen hingegen wendetmit höhnischem Scherz ein, daß man mit einem leichtenniedlichen Pantöffelgen weniger zum Aufruhr reize,und doch eben so sicher regiere. Da ich gleicherweise