Lt4
Wenn die Schönen sich über die Schuhe beschwere»/so möcht' ich ihnen.zu bedenken geben, daß fürwahrdie Schuld nicht an dem Schuster allein liegt. O,wie allerwärts, so thun auch hier die Nebenumständeund das Benehmen sehr viel. Nicht cntgieng dieß demgrossen römischen Kaiser August : *) Eines Tages liefer Gefahr das Schlachtopfcr eines kriegerischen Auf-laufs zuwerdcn, und zwar bloß darum, weil er amMorgen eher mit dem linken Fuß als mit dem rechtenin den Pantoffel hincingcschlüpft war. Um es rechtanschaulich zumachen, wie vieles manchmal von einerkleinen Bewegung des Pantoffels abhängen kann, soerzähle ich z. B. die Geschichte einer Indianerin, dieohne Wissen und Willen den Königsmord Heinrich IVtenverursachte. Auf einem Spaziergange au den Uferndes Ganges gcricth sie mit ihrem Mann in heftigesGezänk; sie schleuderte ihm den Pantoffel vor dieStirne; er wollte sich retten, fiel aber in den Flußund ertrank. Voll Angst flüchtete sich hierauf das Weibmit einem Kaufmanne nach Pcrsien; von diesem bekamsie eine Tochter, die ein Icsuite — bekehrte; der Iksuit schikte das Mädchen nach Frankreich, wo es denVater des Ravaillacs hcyrathete. Wer sieht nicht, daßein unglüklicher Wurf deS Pantoffels in Indien dasSchiksal von Frankreich und Oesterreich, kurz, dasSystem von ganz Europa umgekehrt hat ? Hierüberwerden sich freylich unsere schönen Damen wenig beküm-
*) S. Plin«us. ii, 7.