Gerechtigkeit d es Lebens. Matth. V. 20. 76z
(4.) bey dir gebühren eine rechtschaffene Forcht Gottes / nicht eine knech-tische Forcht / die ab Gott als ab einem grausamen Herren und gerech-testen Richter erschräcke / schlottere und zittere / sonder eine recht kind-liche Forcht / welche eben darum/ weil ste von der Liebe Gottes entzün-det ist / und sich Gottes Herrlichkeit und Liebens-Wirdigkeit ohne Unter-las vorstellet / nichts anders seye / als eine heilige ängstliche Sorgfalteines Liebevollen Herzens/sich diesem Gott geziemend aufzuführen / ihmein allem zugefallen / und sich seiner Huld und Gnade/ die doch besser alsdas Leben selber ist/niemahlen vorschlich zuberauben/oder hingegen seinerUngunst und Ungnade/die erschrecklicher als dasBrülen einesLöwen/und der Tod selber ist/schuldig zumachen. DieseForcht muß dich darumauch in allem deinem Thun leiten und treiben. Sie muß machen/ daß dugleich einem Enoch ohne Unterlas mit Gott / gleich einem Abrahamvor Gott / und gleich einem Caleb nach Gott wandelst/ auch in allenVersuchungs-Anläsen mit Joseph gedenckest: Solre ich ein solch gros-ses Uebel thun/und Wider Gott ssmdlgcn? Das wäre ja wol närrisch Gen.)§rio.und unvernünfftig/für die kurtze Ersetzung der Sünden verscherzen dieHuld des ewigen Gottes / für eine Hand voll Eitelkeit / dahingcben dieewige Seligkeit. Wilt du thun / was gerecht ist in Ansehung Gottes /so muß bey dir seyn fehrner (5.) ein rechtes Vertrauen auf Gott. Nichtein fleischliches Wahn-Vertrauen/ dadurch du dich selber versteckest/undmit einer verwegenen Einbildung der gegen dich grossen Gnade und LiebeGottes / dir selber / ohngeachtet du noch ein fleischlich unwicdergebohreneeSünder bist / flattirest/ und Frieden verheißest/ ob du gleich wandelst wiees dein Hertz gelüstet/sonder ein recht gläubiges und geheiligtes Vertrauen/gleich ein gutartiges Kind hat gegen seinen Vater / den es inniglich liebet/förchtet und ehret; Ein solches Vertrauen/durch welches du dich in Ueber-denckunq der herrlichen Tugenden Gottes / seiner Weisheit/ Allmacht/
Liebe/ Barmherzigkeit/ Allgenugsamkeit/item der vorbündigen vcrhess-sungen desselbigen/ die in Christo Jesu dir alle Ja und Amen gemachetworden / Gott ganz ergebest/und dich in seine Vaters- Schoos mitten unterallen Unglücks-Stürmen dieser Welt getrost und freudig hincinwersscst/in Hoffnung/ er werde es doch mit dir zulezt noch wol machen / und dirals einem/ der Gott lieber / alles zu deinem Besten mirwircken lassen.
Will du thun / was gerecht ist in Ansehung des Herren deines Gottes/so muß dein Hertz auch (6.) brennen von einem heiligen Eifer für diesen soherrlichen Gott/ d.i. entzündet seyn von einer recht feucrigenHitz der Gott-seligkeit/ und von einer recht heissen Begierde/die Ehre eines solchen Got-tes bey allen Anläsen auf alle ersinnliche Weise auszubreiten / und deinen
Aaaaaz Er-