Band 
I. Tomus.
Seite
1087
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ro86 tzr'e Liebe der Feinden.

Kräfte seiner Seele dahin anspannen / um zu allen Zeiten / und in allenFälen alles das seinige/ was man hat/kan/ weißt/ist/zu dieser GöttlichenLiebe / und der freudigen Ausübung aller besondern Pflichten derselbjgen /anzuwenden. Das ist ja wol das erste und vornehmste der GöttlichenGebotten/ das Gebott aller Gebotten/die Quell aller Gebotten/ darausalle andere/als so viele besondere Büchlein Herfließen/ und dahin sich wie-der ergießen / und das ja wahrlich alle übrige Pflichten der Gottseligkeit infich begreifet. Das andere dieser Gebotten aber/ das Jesus in dieserseiner Antwort namhaft machet/ ist dieses: Seinen Nächsten lieben/d. i. gegen selbigen eine hertzliche Zuneigung des Hertzens haben/ ihmegutes wünschen/gönnen und thun/feinen Schaden wenden/und sein Bestes/vornehmlich auch das ewige Heil seiner Seele nach allen seinen Kräften/und aus einer wahren Begierd/ ihne neben sich zum Kind Gottes und Erbedes Himmels zuhaben / befördern. Und dieses nun übermahl thun / und-wahren so auftichtig und treulich / so wircklich und thätlich / so beständigund unveränderlich / als man es thut gegen sich selbsten/ ist ein Gebott,das dem ersten/wie in der Natur der gebottcnen Tugend/die beyderseitsdie Liebe ist/ und der Kraft der Verbindung/ n. s. f. so auch darinn vor-nehmlich gleich ist / weil es in gewissem Sinn kein ander Gebott/ als daserste ist. Dann die Liebe des Nächsten ja nichts anders ist / als eineErstreckunq und Ausfluß der Liebe Gottes gegen unsern Nächsten. Gorelieben heißet auch / Gottes Ehr und Herrlichkeit auf alle Weise / und zuallen Zeiten suchen in allen seinen Geschöpften/hicmit auch in unseremNächsten / das die rechte Liebe des Nächsten ist. Und den Nächstenlieben heißet in dieser Absicht auch nichts anders / als sinnen und sorgen /wie Gott durch seinen Geist und Gnade in unserem Nächsten könne groß- -emachet und verherrlichet werden/das die wahre Liebe Gottes ist. Die-ses zweyte Gebott ist hiemit ja wahrlich auch so wol / als das erste/einsder ersten und vornehmsten Gebotten im Göttlichen Gesatz / in dentGesatz der Sitten und in dem Gesatz des Glaubens/in Mosis zugleich undChristi Gesatz. Das erhellet sich auch daraus / so wir dieses leztere Gebottvornehmlich betrachten in Ansehung seiner weiten Erstreckung; so wir be-trachten/wer kraßt selbesen unserNächstee seye/nemlich nicht nur unsereFreunde und Brüder / sonder auch selbs unsere Feinde / Nässere / Be-leydigere und Verfolgere / und was wir Kraft der ihnen schuldigenLiebe ihnen zugleich schuldig seyen vor häufige andere theure Pflichten/nemlich ihnen nicht zuwiderstehen / uns nicht anders als mit eitelerSanftmut- an ihnen zurächen/ ihnen/ wann sie uns bitten / zugeben/«ttd uns nicht von ihnen zuwenden / wann sie von uns entlehnen

wol-