_ Fünfte Bitt. tNatth. VI. 12. _357
Brüderund Mit-Schwösternin Christo Jesu / wann sie zu Gott ihremhimmlischen Vater in der erklahrten Bitt sagen: himmlischer Vater/versieb/ vergieb nicht nur mir/ sonder versieb uns/ uns allen mitcinandern / als die wir alle gesündiget/ die wir alle deine Schuldner/ Rom.und in unserer Natur Todes - und Hollen- würdige Sünder sind / unsereSchulden. Ja weil Gott der himmlische Vater auch diejenige seinerKindern / denen er zwahr freylich ihre Sünden/ dersclbigcn Schuldund Straff wircklich nachgelassen / dennoch ihrer Sünden wegen nochhier auf Erden mehrmahlen mit Ruthen und Geyseln heimzusuchen undzuzüchtigen / und ihnen so die Bitterkeit ihrer Sünden zukosten zugebenpfleget/ so bäten sie auch/ daß Gott selbs dieses/ wann er es je gegen siethut / und thun wil / doch thun wolle in Gnaden / daß er seine Züchtigungenihnen jederzeit wolle versüßgen mit seiner Liebe/ daß er selbige wolle aus-führen zu ihrem Besten / und sie doch niemahlen versucht werden las-sen über ihr Vermögen / sonder mit der Versuchung den Aus-gang verschaffen/ auf daß sie es ertragen mögen. Sieruffen da- » Cor. io:n>rum auch dadurch gleichsam mit David aus : Ach Herr / straffe unszwahr / aber nicht in deinem Zorn / und züchtige uns / abernicht in deinem Grimm. Ore, Oomine, ien, Ac. Herr brenne/haue/ schneide hie/ und schohne nur dort. Solsjesöseyn/daßStraff und Pein auf Sünde folgen müssen ; So fahr nur fort /und schohne dort / und laß uns hie wol büssen / rc. Und diesesseye geredet zu Erfahrung dieser fünften Bitt des Heil. Vater Unsersan sich selber. Wir gehen fort
il. Zu dem nachdrücklichen Anhang derselbigen in diesen Worten:wie auch wir vergeben unsern Schuldnern. Weil die Zeit / M.
Br. schon meistens verflossen / so gedencken wir von der eigentlichenPflicht / unsern Schuldnern/d.i.Hässern/Belaidigern/Verfolgern/rc.zuvergeben/ dießmahl nicht zureden / sonder wollen selbiges lieber bisauf v. 14. is- unsers Texts-Capituls verjähren / und uns vergnügen/
E. And. nur mit wenigem zuzeigen / in was für einem Sinn eigentlichwir diesen Anhang mit dieser Bitt verknüpfen/und so sprechen: Himm-lischer Vater/ vergieb uns unsere Schulden / wie auch wir ver-geben unsern Schuldnern. Es geschiehet dieses nemlich nicht in demVerstand / als ob wir dadurch wollen prätendiern/ durch unsere Verge-bung Gott abzuverdienen seine Vergebung. Pfuy der Schanden !
Das wäre wie eine grosse Tohrheit und Unsinnigkeit / so ein sündlicherStoltz und ungeheure Vermeffcnheit; Besonderbar / in einer solchenBitt/ in deren wir uns vor Gott nicht bloß als arme Erden-sonder als
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