4-14 _Von der Versuchung zu Gottslästerlichen_
und Vorbedacht/ bey gewissen natürlichen Anläsen / eine aus der andern/u. s. f. Sonder sie werden wider allen ihren Willen und Bemühen/ gleich-sam wie ein einsmahligcr Donner - und Wetter - Schlag / oder Strahl-Streich/ in sie hineingeschossen/ und das mit einer solch unausweichlichenVehementz und plötzlichen Hcfftigkeit / daß sie ihnen weder durch Ver-stand / noch Stärcke vorkommen können. Es erscheinet sich solches ( 2. )aus der Betrachtung derjenigen Menschen / die mit diesenGedancken ge-wöhnlich geplaget werden / auch der Art und Natur derselbigen selber.Die Mensche» nemlich / die mit diesen Gedancken gewöhnlich geplagetwerden / sind / wie schon erinnert worden/GottesfrömmesteundliebesteKinder. Die Gedancken aber selber sind / wie wiederum oben gemeldetworden/ so gar wie von aller Wahrscheinlichkeit und Vernunfftmassigkettberaubet / so mit soviel recht detcstabler und Höllischer Gottlosigkeit an-gefüllet / daß selbs die allerböseste und gnadenloseste Menschen dieselbenicht gut heißen/ sonder vielmehr / wann sie ihnen in den Sinn kommensollen / mit Forcht und Schrecken detestiren/ ja sich daran selber ärgeren/und ihnen das Hftb dich hinder mich Sachan zuruffen wurden. Siesind so überaus gottlos und schändlich / daß/ wie der versuchte Eng-lische Gottsgelehrte Downam davon schreibet/ unsere Natur / ob sieschon noch sosehr verderbet/ derselbigen dannoch nicht fähig isi/es wäre dann / daß sie / durch langwirrigc Gewohnhew widerGott zusundigen / gantz teufelisch geworden wäre. Wer Wil übergedencken / daß Gedancken/ die bey aller Verdorbenheit der Natur/ undbey voller Herrschafft der Sünden/ doch nicht/natürlicher Weift/aus dembösen Schatz ihrer Hertzen/ entstehen und Herfürkommen bey den gott-losesten Welt-Menschen / solcher Gestalt/ hiemitohneunmittelbahreEin-gebung des läidigen Teufels entstehen sollen bey begnadigten theuren Kin-dern Gottes ? Endlich scheinet sich dieses zuerhcllen (z.) aus den Wür-kungcn dieser Gedancken. Eigene Gedancken / wie bös und verkehrt sieimmer sind/ pflegen eben darum / weil sie eigen und natürlich sind / keineunnatürliche Verwirrung des Gemüths bey den Menschen zuvcrursachen.Sie pflegen / wie sehr auch der Geist selbigen zuwider/ doch wenigstensdem Fleisch einicher Massen zuschmeicheln/ und thns auf eine süße Weisezuafficiren. Der Mensch spühret gegen sie / wann er auch ist wiederge-bobren/ eine zwahr merckltch geschwächcte und fastgctödcte / doch etwelchenatürliche Zuneigung / als gegen seinen natürlichen Kindern. Hierüberist es mit diesen Gedancken gantz anders. Sie bringen das Gemüth desMenschen gantz äußert sich felbsten/und setzen es in eme solche Verwirrung/die unaussprechlich ist. Das Hertz bebet / die Lenden erschüttern sich da-