Band 
II. Tomus.
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428_ Von der Versu chung zu Gottsläfierlichen

in dem Stande der Sünden sind / hasset Gott. Allein in diesem Sinn

sind solche Gläubige ja wahrlich nicht mehr in dem Stande der Sünden.Daß aber Gott Haffe alle diejenigen/ so da in dem Stande der Sündensind in dem ersten Sinn / das ist falsch. Dann so hastete erja alle und jedeMenschen. So wäre kein eintziger Mensch in dem Stande der Göttli-chen Gnaden. So wäre die selige Himmels - Pforte vor allen und jedenzugeschlossen. Dann es ist ja wahrlich kein Mensch / kein eintziger/ derI Res.s: 46. nicht sündige. Und so wir sagen / daß wir keine Sünde haben /» 2»h i: r. so verführen wir uns selbst / und die Wahrheit ist nicht in uns.

Drittens klagen solche Gläubige gewöhnlich über den Man-gel des Glaubens/ der sich bey ihnen befinde/und der fie eben/daß fie aus Gottes Gnade seyen ausgefallen/ forchten mache.Diesen Mangel aber des Glaubens wollen fie beweisen / aus derihnen mangelnden Empfindung desseldigen/ aus der verloschenenFreude des ^eil. Geistes/aus ihrem verlohrenen Elfer zum Gu-ten / aus ihrer Trägheit zum Gebät / u. s. f. Hierauf dienet aberfolgendes. Auch da schliesset ihr / o betrübete Kinder Gottes / abermahllätz. Dann was mitrisset die mangelnde Empfindung des Glaubens / soist dieje gewißlich kein genügsames Beweiswum des mangelnden Glaubensselber, eil 6cles, NIÜ creäere, czuvä non vieles ? Hat Augusti-

nus gesprochen: D. i. was ist der Glaube anders / als glaubendasjenige / was du nicht stehest /hiemit auch nicht empfindest? Ge-llst / sagt Jesus zu Thoma / find/ die nicht gesehen / und doch ge-3H. -o: glaubt haben. Der Glaube bestehet nicht in unserm Gefühl / sonder in

der Göttlichen uns manchmahlen unempfindlichen Krafft. Er bestehetin einem geistlichen Hunger und Durst / hiemit in der Begierde dessen /das man nicht empfindet; wie wir andere mahl bewiesen haben Wer inOhnmacht lieget/ der hat keine Empfindung seines Lebens / doch ist er da-rum des Lebens selber nicht beraubet. Was belanget die empfindlicheFreude des Heil- Geistes / so hat die ihre verschiedene Staffeln. Beyden einten ist sie in dem Saamen und in der Wurtzel / bey andern inder Blust und Frucht / und ist/ überhaubt davon zureden/ nicht eine we-sentliche Eigenschafft / sonder eine Frucht lieber und hoher Staffel desGlaubens/ und zwahr nicht so fast eines kämpfenden/als aber eines trium-phirenden Glaubens. Nun ist aber auch ein kampfender Glaube ein selig-machender Glaube. Der Eifer über das / oder auch die Lauheit zu demGuten ansehend / so müssen selbige just nicht allemahl/ aus einermehrern»der mindern Geschäftigkeit des äußerlichen Menschen in guten und gebot-enen Tugend-Wercken / sonder mehrmahlen aus einem ab-oder zuneh-