Band 
II. Tomus.
Seite
1840
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s§8__ Der Christen F a sten. _

wir keine / wir freuen uns / als freueten wir uns nicht. Wir essen/als äffen wir nicht / und trincken / als truncken wir nicht. Wir hüten unsvor einer allzulackerhafftcn Meisterlosigkeit/ und ersetzen uns an der Lustauch der anmuthigsten Speisen niemahlen so / als ob wir darinn/im Essenhiemit und Trincken/ unsere Freude und Glückseligkeit suchten/oder denBauch gar zu unserm Gott Macheten. Ja wir gewähnen uns auchan das besondere

Fasten / das Jesus im Text seinen gläubigen Reichs-Angehörigenre-eommendiret/ und bey dem die erste Christen sich so wol befunden haben.Gewißlich es ist/ich habe es zum Theil schon droben gesagb/ und wiederholtees nochmahl / zubcdauren / daß / da man zur Zeit der seligen Reformation dasPapistische und wol schlimmere alsPhariftischeFasten aus derKirchen billichausgemustert / zugleich mit selbigem das wahre Evangelische Fasten in selbi-ger fast verlohren ist gegangen. Allein so gehet es etwann / M. Br. /wannman ein grosses Tenn säubert / und denGüselvon dem Korn/die Spreuervon dem 'Wäitzen hinwegthut / so gehet auch das einte und andere köst-liche Körnlein mit. Der nun thut wol / der sewiges wieder aufliefet / undan sein Orth zurückleget. Lasset uns aber bey diesem Fasten wol gewahrendes rechten und Gott-gefälligen Zwecks / den ein erleuchteter Christ sich beyselbigem vorstellen sol. Lasset uns uns hüten/daß/wann wir so fasten/wires ja bey Leib nicht thuen in der Einbildung einiger Verdienftlichkeit. Es istdochnichtsunvernünfftigers/als ein Merck/ das man thun sol mit Verlau-gnung aller Verdienftlichkeit / und in dessen Ausübung wir gestehen /daß wirarme Sünder / und nicht wärth seyen/ einen einigen Bissen Brots/ wie obengehöret worden/zuessen/ oder einen Tropfen Wassers zutrincken/thun Wol-ken in der Einbildung der Verdienftlichkeit. Das heißt handeln recht wider-sinnig/ eben so widersinnig/als handelte-er arme Maleficantund Sünder/der den Strick um seinen Hals / in dem er vor seinem Richter erscheinet/und um Gnade bittet/ und der ja ein sichtbahres Bewcisthum ist/daß ernichts als den Tod und das Hochgericht verdienet/machen wolte zur verdienst-lichen Ursach des ihm schenckenden Lebens. Lasset uns zusehen/ daß wir mdiesem Fasten an sich selber niemahls auch stellen einige Gottsdienstltchkeit.Lasset uns darinn ja wol nicht suchen unsere eigene Ehre / oder das stin-kende Lob armer Menschen. Da giltet das Wort des Herren Jesu munserm Text: wann ihr aber fastet/ sollet ihr nicht sauer sehen/wie die Gleichsner: Dann sie verstellen ihr Angesicht/ damitsie vor den Leuthen scheinen / daß sie fasten, wahrlich rchsage euch / sie haben ihren Lohn dahin» Lasset uns dencken / daß der