< 9» Greuel und RsnnzeLchen / re.
Iac>;:r. Weise Schätze in den lezten Tagen zusammcln ; über den Marcktzugehen / und etwas aus einem Kram-Laden zuraubrn / aber nich t in seinemKram-Laden selber liederliche und unnütze Waaren füreinhohes Geltzu-verkauffen ; vor Gericht eine falscheZeugnus/aber nichtim sonstigen Um-gang einen ihm selber nützlichen und dem Nächsten schädlichen Lug zusagen.Gedancken insbesondre/ Gelüste item und blosse Begierden/die er nicht justin das Merck setzet / sind in eines solchen Heuchlers Achtung Zohl-ftey.O Heucheley Anders / gantz anders ist abermahl beschaffen der wahreChrist- Der ist auch hier nicht wie die Gleichsner. Sünde ist beyihm Sünde/ d i. eine Uebertrettung des Göttlichen Gesatzes/ und eineSchändung seiner ewigen Majestät. Sünde verdienet in seinen Gedan-ken die Hölle und die Flammen des unauslöschlichenFeuers/siemag seynso klein / als sie wil. Und darum hütet er sich freylich sowol / und machetsich ein Gewissen über grosse vorderst/ als über kleine/aber auch hingegenüber kleine sowol / als über grosse Sünden. Er weißt/ daß eine kleineSünde ihne leicht veranlasen kan zu einer grossen / und daß der läidige Teu-fel kleine Sünden etwann brauchet / wie practictrte Dieben ein kleines Kind/das sie irgends zürn Fenster einstecken / und welches / ob es gleich für sichselber sonst wenig schaden konte / doch die Thür den andern und grossenDieben eröffnet / daß die so dann nach Belieben Hausen/und die Einwohneredes Hauses selber um die Hälse bringen können. Er weißt / daß eine kleineSünde mit Vorsatz begangen / nothwendig eine grosse Sünde / und eineSchwachheit mit Willen unterhalten/ zur Bosheit wird. Es mag sichihm dann ein Anlas prwseritiren/ eine kleine / oder grosse Sünde zubege-hen / so heiffet es bey ihm / wie bey Joseph : wie solte ich ein solch
Nrn.zs--. grosses Uebel begehen / und wider Gott sündigen ? Sein Sterzschlägt ihn / wie den David / wann er seinem Feynd nur einen Zipfelvon seinem Kleide schneidet / da ein anderer freylich ohne Bedencken ihmnicht nur denZipfel des Rocks/ sonder gar das Leben wurde nehmen. SeinGewissen ist gleich einem zarten Aug / das auch das kleinste darein gefalleneStäublein schmutzen / treusten / überlauffen machet. Mein Sohn / sagtdie himmlische Weisheit bey Salomon/ behalt meine Rede/ und laßdie meine Geborte befohlen seyn. Bewahr meine Gebotte / undmein Gesäz/wie deinen Augapfel /st> wirst du bey dem Leben blei-
PM. 7 ben. Ein wahrer Sohn dann der himmlischen Weisheit / d. i. ein recht-schaffener Jünger Jesu/ hiemit ein aufrichtiger Christ/ bewahret seinesGottes und Heylands Gebotte / wie seinen Augapfel. Der Augapfelaber ist das zarteste an unserm gantzen Leib. Ein einiges rauhes Lüfftleinkan ihn verletzen. Ein einiges auch bey andern für klein gehaltenes Sünd-
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