Band 
I. Theil.
Seite
236
JPEG-Download
 

224 Von der Erfahrung.

Ein sehr beschäftigter Arzt sieht zu viel unddenkt zu wenig. Die Beweglichkeit der Gegen-stände erlaubt ihm nicht sie zu beobachten, siewischen sich unter einander mit der gleichen Be-hendigkeit aus, und alles was davon zurückbleibtist ein verwirrter Eindruck, ein leeres Angeden-ken. Er kann darum in die genauere Umständeeines Kranken und einer Krankheit nicht treten,noch ihren Verschiedenheiten zufolge seine Me-thoden und seine Mittel verändern; er nimt al-les überhaupt. Ich kenne in einem ansehnlichenLande eine ansehnliche Stadt, die unter einerMenge Aerzte, der wohlhergebrachten Gewohn-heit zufolge , den dümmsten für den besten hält;Dieser Estulap hat alle Morgen fünfzig bis sech-zig Kranke in stinem Vorzimmer, er hört dieKlagen von jedem, stellt sie gemeiniglich in vierReihen, und verordnet der ersten Reihe eineAderlässe, der zweiten eine Purgaz, der drittenein Clistier, und der vierten eine Luftänderung.

Man hat nach dem nemlichen Vorurtheil ei-nen grossen Begrif von der Praxis der Hospitäler.

Ich