IV. Buch. n. Capitel. 48s
nicht so sehr entsezcn würde die Liebe zu gestehen,auch damit nicht so heimlich thäte, wenn sienicht etwas der Scham haftigkeit enlgegmes insich hätte. Aber eben darum wird die Liebe eineLeidenschaft, weil die Seele allzuviel Antheil dar-an nimt, und weil man sich nicht begnügt diesenAppetit schlechtweg zu stillen , sondern vielmehrsein Verlangen auf eine einzige Person entwedermit Ausschliessung aller andern, oder wenigstensmit einem vorzüglichen Grade von Heftigkeit fest-sezt ; denn dies ist das sittliche der Liebe. DieAlten haben darum sehr wohl gesagt, Jupitersey vernünftig wenn er nicht liebe, aber Jupiterselbst könne nicht zugleich lieben und vernünftigseyn.
Von der Liebe hat unter allen Leidenschaftenwie ich oft gesehen der Arzt am meisten zu hassenwenn sie befriedigt wird, und am meisten znfürchten wenn sie den geringsten Widerspruch lei-det. Auf eine betrogene Liebe folgt überhauptbey Weibern die Vorhaltung der Zeiten. EineSchweizerische Dame verlor sie daher für vierze-Hh ; hen