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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / Joh. Georg Zimmermann
Entstehung
Seite
22
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zweytes Capitel.

Wahrheit die in unsern Zeiten alle wahren Philo-sophen predigen, daß unter allen menschlichen Wis-senschaften die nützlichste und noch z»r Zeit die un-vollkommenste , die Kenntniß des Mensch n ist.

Der Landbau war seit undenklichen Zeiten ver-dammt , unter den Händen unwissender Sclavender dummen Uebung zu schmachten. Es ist mehr zufedern gewesen, daß der Landmann von selbst , oh-ne die Anleitung der Philosophen oder die Begün-stigung der Fürsten, die Natur untersuche. Er hatinsgemein nicht mehr Verstand als er zum Brechen,zum Pflügen, zum Säen und zum Erndcn bedarf;und eben darum hat er auch nicht Verstand genugzum Gehorchen. Die Macht des Vorurthciles istso groß, daß auch der elendeste Bauer die Reizeder Freyheit in dem Eigensinn sucht. Er spricht ichhätte es nicht geglaubt, wenn ein geschickter Land-bau in einem Jahre mehr abwirft, als der seinem zehen ; aber er will lieber verhungern als derManier seiner Väter nicht folgen. Anstatt ihre Bäumezu propftn begnügten sich die Minorcancr den Eng-ländern zu sagen, niemand wisse besser als Gottwie die Bäume wachsen sollen. Eine aufgeklärteMenschenliebe hat darum eine beträchtliche Anzalwahrer Weltbürger bewogen , den Landbau diesemWahnwitz zu entreißen. Seit einigen Jahren folgenauch verschiedene Gesellschaften von Patrioten diesenerhabenen Spuren bey uns. Wir entscheiden nichtob die Menschen durch Korn und Eisen zuerst ge.stttet, und ewig unglücklich worden, nur fangen