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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / Joh. Georg Zimmermann
Entstehung
Seite
21
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Erstes vuch,

re aus, wenn es um die Untersuchung seiner Fähig-keiten zu thun ist, der Vater sey entzücket, und derSohn packe wieder ein. Daher sieht man, daß Kin-der die man in der ersten Jugend bewundert hat,bey mchrern Jahren immer in der Mittelmäßig-keit bleiben, und daß andere in der Welt sich her-vor thun, die in ihrer Jugend niemand bewun-dert hat.

Die Kenntniß des Menschen, die Kunst zu leben,die erste der Künste, die vornehmste Quelle unsererGlückseligkeit, ist dieser blinden Lehrmeisterin hcim-gestellt. Man will daß es ohne die geringste Vor-bereitung möglich sey diese erhabene Kunst in demUmgänge von Menschen zu lernen , die sie selbstnicht verstehen. Ein Jüngling der seinen Catcchiß-mus, seine Grammatick, seine lateinischen und fran-zösischen Wörter, und wenn es hoch kommt seineTanzkunst in dem Gedächtniß hat, wird plötzlich indie Welt geworfen, eh man ihm auch eine sinnlicheIdee von der Welt gegeben hat. Eine Menge al-ter Leute rühmen sich daher ihrer Erfahrung vonder Welt, und sind nicht fähig auch in den kleinstenDingen das verdeckte zu sehen, einem Worte seineAbsicht und der Absicht ihre Triebfedern zu finden.Beständig in sich selbst und in seine wvhlhcrgcbrach-ten Begriffe eingesponnen , baut der helle Haufender schulgelehrtcn Moralisten , Juristen und Theo-logen Systeme, Gesetze und falsche Religionen indie Lust, weil er weder die Natur noch den Men-schen kennt. Es ist eine grosse Wahrheit, und eine