Buch 
Von der Erfahrung in der Arzneykunst / Joh. Georg Zimmermann
Entstehung
Seite
33
JPEG-Download
 

Erstes Buch,

ger Redlichkeit ihre göttliche Kunst ausübten ; aberdiese Tyrannen liessen als Leute von schlechter Auf-erziehung, die äusserste Grausamkeit die Belohnungder besten Bemühungen dieser Aerzte seyn. In ih-rer tiefen Unwissenheit begriffen die Mameluken dieRegeln der Kunst nicht; sie befahlen, wenn sie denveringsten Schmerz litten, mit unmenschlicher Wuth,daß man helfe, und von allem was ihnen helfenkonnte, thaten sie nichts. Durch den Eigensinn die-ser unfähigen aber unumschränkten Richter überwäl-tigt, dachten die Aerzte nicht mehr in der Absichtzu heilen, sondern in der Absicht zu gefallen aufempirische Methoden; unbekümmert um die Haupt-krankheit sorgten sie für cinzele Zufälle, lindertendie Schmerzen, überließen die Krankheit der Na-tur, unddcn Wüterich seinem Schicksal. DieseMc-thoden gefielen, und die Arzneykunst ist seitdem inEgypten, was sie mehreuthcils ist, ein weibischesGeschwätz.

So wenig man bey einem kriechenden , zu allenUmschweifen geschickten und jedermann schmeicheln-den Künstler das wahre Genie sindt, so wenig sinktman dasselbe bey einem Arzte, der einen vielfachen,niederträchtigen, alle Arten von Unbill verdauendenGeist hat, der mit jedem Narren toll ist, von jedemDummkopf Gesetze annimt, jeder Acrztin schmeicheln ,und jedem Götzen opfern kann. Galenus, der schonin seinen Zeiten, durch einen mit aller» Wissenfchaftcn und Künsten gezierten Geist, einen ansserordent-liehen Ruhm erworben, beklagt mit einer Art von