zweytes Capitel. 21
Bitterkeit, daß sehr viele unter seinen Augen durchComplimente des Morgens, durch das gescllschaft,lichc Schmausen des Abends, und durch jede ande,re Schmcichelcy , Aerzte nach der Mode werden,und mit dem allgemeinsten Beyfall zu dem oberstenGipfel des Ruhmes steigen. Daher kommt es, setztGalenus hinzu, daß man die schönen Wissenschaf,rcn und die Philosophie, das ist eine gelehrte Auf.erziehung, dein Arzte höchst unnütz glaubt, unddaß nicht nur die schlechtesten Leute ihre Handwer-ke verlassen und in die Classe der Aerzte sich wagen,sondern daß solche die den Salbehändlern, oder wieman in unsern Zeiten sagen würde den Apothekern,ihre Mixturen zugerüsict, sogar dreiste genug sindden Rainen der Aerzte sich anzumaßen, und mitwahren Aerzten um den Vorzug zu streiten. Plint-us hat sehr wohl gesehen, daß jeder schlechte Kerlnur sagen darf er sey ein Arzt, wenn er will daßman es glaube.
Diese längst eingerissenc Denkungsart ist eine Fol-ge der Handwerksmäßigen Begriffen, die man inallen Zeiten von der Arzneykunst sich gemacht. Ichhabe in einer sehr polierten Stadt von dem ange-sehensten Arzte dieser Stadt rühmen gehört, er seyso biegsam als ein Kammerdiener. Dieser Bieg-samkeit ist freylich ein Arzt unfähig , der edel vonseiner Kunst, edel von sich selbst, und edel von demKranken und den Umstehenden denkt. Darum ister verachtet, darum sucht er nicht in dem hinfäl-ligen Beyfall der Kranken seinen Ruhm, und da«