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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / Joh. Georg Zimmermann
Entstehung
Seite
36
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zweytes Capitel. 2;

so mehr vorzuziehen, weil immer ei» schlechter Kerlmehr verspricht als der beste Arzt.

Freind, der schon in seiner Jugend den Nameneines der grössten Aerzte »nd der besten Schriftstel-ler erworben , der als ein Parlamentsglied vonEngland des Hochvcrraths angeklagt und in denKerker geworfen worden, weil er den Ministern dieWahrheit in dem Parlamente gesagt, und der alsLeibarzt der Gcmalin Georgs des Zweyten mitRuhm und Ehre gckrönet starb , macht eben dieseSchlüsse und er hat eben dieses Schicksal gehabt.Sie finden sich in einem Briefe an seinen von denEmpirikern und dem Pöbel verachteten Herzens-freund den Doctor Mead, der bis in sein fünf undachtzigstes Jahr den hohen Rang des ersten undgrössten Arztes in Londen behauptete, als ein Mannvon dem feinsten Geschmacke von dem Hofe unddem Englischen Adel gcehret, als ein FürstlicherBeförderer aller Wissenschaften und Künste von al-len Gelehrten und Künstlern erhoben worden, undder mit einem Worte als Bürger ein wahrer Kö-nig, und als Arzt ein eigentlicher Erlöser war.

Die vorzügliche Achtung für die schlechtesten Kerlsunter den Aerzten, sagt Freind in diesem Briefe,ist die Ursache, warum schon lange sehr viele Aerz,te, die in der Arzneykunst ihre Wissenschaft undihr Genie schon erwiesen hatten , durch jede andereKunst sich mehr zu unterscheiden suchten als durchihre, und warum viele als Schriftsteller in andernTheilen der mensthlichcn Erkenntniß denen selbst zu-