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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / Joh. Georg Zimmermann
Entstehung
Seite
75
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62 Zweytes Buch/

gezeichneten Wege zu betreten glauben, zum Zorn«und auch oft zum Lachen gebracht. Eben als wennKöpfe, die von allen Wissenschaften und Künstenleer sind, das allein wüßten; eben als wenn dieje-nigen Aerzte, die durch die Schriften der Alten un-terstützet und durch die Wissenschaften aufgekläretsind, der Natur zu folgen weniger im Stande wä-ren. Was haben jene durch ihre Wissenschaft undihr Genie so vorzüglich grosse Männer, jene dieArzneykunst wieder aufrichtende Häupter der Aerzteunter den Griechen und Arabern anders gethan,was haben sie ihrem Fleiße für ein Ziel gefetzt, alseben der Natur zu folgen; aber so zu folgen, daßsie dieselbe im Nothfall durch die Kunst biegen undregieren können? Sollen darum ihre Arbeiten unsnicht zu gut kommen ? Sollen wir in ihrer Erfah-rung , in ihren Beobachtungen und Verordnungenkeine Hülfe wider unsere Schmerzen finden, da esdoch die Pflicht eines gewissenhaften Arztes ist, al-lein auf das zu sehen was die Natur will ? Für-wahr diejenigen welche so denken und sich auf ihrenvermeinten Scharfsinn so ungcgründet verlassen,können weder das Wort Natur begreifen , wederwas sie angezeiget verstehen , noch die Hülfe die sievonnöthen hat, noch die Art wie man ihr helfensoll. Damm verachte o Mead diese kleinfügigenSchwätzer, und gehe auf dem Wege fort, den dirmit so vielem Ruhme vorlängst betreten. Schämedich nicht, so groß doch dein Geist ist, allenthalbendie Hülfsmittel zu deiner Wissenschaft gesammelt