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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / Joh. Georg Zimmermann
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76
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zweytes Capitel. 6;

zu haben. Fahre fort den reichen Vorrath deinerBücher durchzuschauen , und wie du gewohnt bistsehr vieles zu der alltäglichen Ausübung der Arz-neykunst aus demselben zu nehmen. Fahre fortdurch anderer Arbeiten vermittelst deines durchdrin-genden Scharfsinns nicht weniger als durch deinezu gewinnen.

Alles was hiermit die Practici von den Nach-theilen der Kenntniß plaudern, die man unter demClimat seiner Universität erwirbt, sagt mehr nichtsals daß diese armselige Köpfe von den Aerzten undder Arzneykunst die handwerksmäßigsten Begriffehaben. Was sie nach diesen elenden Begriffen vonden Nachtheilen der Gelehrsamkeit plaudern, be-weist mehr nichts als die traurige Nothwendig-keit, die jeden Practicus zwingt ein Vorurtheil zubehaupten, das seine Blösse bedecket; und sich ein-zubilden, er folge der Natur indem er seinem Vor-urtheile folgt.

Die Gelehrsamkeit wird also verachtet, weil al-les was arm am Geiste ist sie verachtet, und weilreder am Geiste armer Arzt sich selbst scharfsinni-ger glaubt, als alle Aerzte aller Zeiten und allerVölker.