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Zweytes vuch,
III. Capitel.
Von den Vortheilen der Gelehrsamkeit.
(§in Mensch der gar nichts liest, sieht in der Weltnichts als sich selbst. Der Mangel der Begriffe vonallein was ausser ihm ist, macht die in seinem Kopfeverschraubten Begriffe unendlich wichtig und groß,gleichwie der Mangel der äusscrn Luft in einer Luft-pumpe eine Katze bis zum Zerplatzen groß macht.
Wir werden durch die Gelehrsamkeit diesem klei-nen Cirkel entrissen. Der allzugrosse Begriff vondem Boden der unS trägt, verliert sich , wenn wirdie Dinge dieser Erde im Ganzen übersehen. Jedeeingesogene Meinung wird von allen Seiten geprüft,jede vergötterte Maxime wird gemessen und gewo-gen. Anstatt alles anzunehmen was ein blinder Glau-be gutheißt, verwerfen wir in menschlichen Dingenalles was uns eine durch die Wissenschaften erlauch-tere Vernunft unglaublich macht.
Ein Mensch der nichts gelesen hat sperrt seine ge-dankenlosen Augen mit der lächerlichsten Entzückungauf, wenn er in seinem kleinen Gesichtskreise etwasungewohntes entdecket. Darum ist der Pöbel aber-gläubisch, weil er durch alles was ihm neu ist über-raschet , nichts in seinem rechten Gcsichtspunct zu»betrachten, und nichts aus seinen wahren Grün-den