dritttes Capitel. 77
einzige Zuflucht des grossen Bverhaavc, und er selbsterzählet mit Entzückung wie er in der kleinen Schriftdes von Hütten / nicht nur die Kunst in den verzwei-feltesten und die Kraft des Quecksilbers weitübcrmö-genden Fällen zu helfen gefunden ; sondern wie erin derselben auch alles schon beschrieben und empfoh-len sah, was die neuern Geheimnißkrämer in Ab-sicht aufdie Methoden und die Mittel wider die Lust-seuche eigenes zu haben leugcn.
Alle Krankheiten sind uns nicht einmal dem Na-men »ach bekannt; ihre Anzal ist so groß, daß sichder beschäftigteste Arzt nicht schmeicheln darf, erhabe sie alle gesehen. Es könnet, auch in einem Lan-de sehr wohl beschriebene, aber in diesem Landenicht bekannte Krankheiten erscheinen; sie raffen ei-ne Menge Menschen weg, die Regierung wendetsich an die Practicos, die Practici an ihre Erfah-rung , das Ovackel ist stumm, und oft giebt ein jun-ger Arzt die Antwort. In gemeinen Fällen kommtfreylich, wie Hippocrates schon gesagt hat, die Un-wissenheit des Arztes so wenig an den Tag, als dieUnwissenheit eines Steuermannes, wenn das Meerstill ist und die Winde gut sind. Aber bey schwerenGewittern lernt man den Steurmann kennen.
Die Vortheile der Gelehrsamkeit sind so beträcht-lich, daß jeder gewissenhafte Arzt gezwungen ist gelehrtzu seyn, sobaid er weis wie er es seyn soll.