8° Zweytes Buch,
unbekannt ist , und auf was für Wegen das zwei-felhafte erörtert und das unbekannte gesucht werdenmuß, wissen wir was wir verwerfen , woran wirzweifeln und was wir annehmen sollen. Ohne die-se crilifche Einsicht, die allein aus dem Verständefliesten kann , liest niemand mit Vortheil. Mailwird den Geist nicht nur nicht schärfen sondernschwächen, und vieles glauben anstat etwas zu wissen.
Die meisten medicinifchen Schriften sind ein Ge-mische von Irrthum und Wahrheit. Oft werfendie Vorurtheile ihrer Verfasser einen fast undurch-dringbaren Nebel über das Gute, das in densel-ben verstreut liegt. Dunkelheit, Ungewißheit undFalschheit umgeben sie in gleichem Maasse ; sie re-den viel und sagen nichts. Der Mangel des philo-sophischen Geistes ist es > der so lange die gröste An,zal der Aerzte zum Pöbel gemacht, sie konnten nichtklüger seyn als ihr Jahrhundert. Die Wahrheitist in ihren Schriften so sehr verwirret, so sehr durchscholastische Grillen verdorben, so sehr durch dendamals allmächtigen Aberglauben verstellt, daß sichdas wenigste davon gebrauchen läßt. Der Leser be-darf destomehr Verstand, weil in so vielen zur Arz-neykunst gehörenden Schriften keiner ist.
Hippocmtcs wird immer der Vater der Arzney-kunst bleiben, und das meiste Gute des Plato, desAristoteles, des Galenns und der Araber fließt ausdieser reichen Quelle. Plato der ein Zeitgenosse desHippocrates gewesen , hat in feinem Timäus eine
Art