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das denke», sie sammeln immer und gebrauchen nie.Zum schleppen nicht zum bauen geboren, trachtensie Haufen Steine nicht regelmäßige Gebäude ausszuführen ; ihre niederdrückenden Arbeiten sind ohneWahl, ohne Zusammenhang, ohne Absicht. EinGedachtnißgelchrter Arzt hat tausend Dinge in deinKopfe, ohne darinn das wahre von dem falschen,das gewisse von dem ungewissen zu unterscheiden,er kann niemals aus diesem Abgrund herausneh-men, was zu den gegenwärtigen Umständen taugt.Mit allem was andere gedacht haben bekannt, weiser niemals was er denken soll, und verfällt in eineZweifelsucht, die seinen büchervollen Kopf zur Aus-übung und Erfindung unfähig macht, weil er zumdenken unfähig ist. Der gelehrteste Arzt ist zu be.dauren, wenn «er nicht gelesen hat besser zu denken,mehr seinen Geist zu schärfen als sein Gedächtnißzu füllen, mehr Gedanken zu pflanzen als Wörterzu häufen. Erst denn wird er zum urtheilen undhandeln geschickt, wenn er in gleichem Maasse mitder Gelehrsamkeit den Verstand verbindet. Sei.ne ganze Kenntnis wird ihm eigen, und der Miß-brauch der Bücher tödet bey ihm nicht die Wis-senschaft.
Nur ein wahrer Gelehrter sieht den Werth vonjedem Verfasser. Der gute Erfolg unserer Bemü-hungen hängt hauvtsächlich von dieser Fertigkeit ab.Znm voraus unterrichtet, wie weit man in einerWissenschaft gekommen, was in derselben gewißausgemacht, was noch zweifelhaft, was noch ganz