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Zweytes Buch,
tur, vergötterte Denkmale der unverschämtestenUnwissenheit. Auch sind die Galcnisten, die Chi-misten, und die meisten folgenden Aerzte in ihrenVerordnungen so abgeschmackt, daß es unbegreif-lich wäre, wie sie noch in unsern Zeiten Nachfolgerfinden können, wenn man nicht wüßte, daß die un-vernünftigsten Meynungen in der Welt die dauerhaf-testen sind.
Diese Leute können uns eher verführen als un-terrichten , eher von der Wahrheit entfernen als derWahrheit nähern, wenn wir den wahren Gebrauchihrer Schriften nicht verstehen. Man kann wissenwas andere gedacht haben ohne selbst denken zu kön-nen. Die meisten Verfasser lehren uns zwar wassie gedacht haben, aber nicht was wir denken sollen.Nur der Mangel festgesetzter und lichtvoller Begrif-fe ist es, nach dem Herrn d'Alempcrt, welcher dieBegierde in uns erwecket anderer Gedanken zu wis-sen ; man bemüht sich durch diesen wahren oder fal-schen Schein der Gelehrsamkeit bestmöglichst denMangel der wahren Gelehrsamkeit zu ersetzen, wirdürfen nicht so wohl suchen was die Menschen inallen Jahrhunderten gedacht haben, als was sie wah-res dachten. Darum sagte schon der vortreflicheArzneygelehrte Daniel le Clerc, man habe zwar inverschiedenen Ländern von Europa Gesellschaftenzur Aufnahme der Arzneykunst, die Absicht sey schönund groß; aber er wisse nicht, durch was für einUnglück zuweilen diese Absicht so schlecht ausgefüh-ret werde, noch warum die Schriften dieser Gesell-