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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / Joh. Georg Zimmermann
Entstehung
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102
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viertes Capitel.

schaften oft mehr eine Sammlung von dem seyenwas man über eine Sache gesagt hat, als von demwas man darüber hätte sagen sollen. Man siehetsogar, setzt dieser grosse Schweitzerische Arzt hinzmdaß man in einigen von diesen Sammlungen vol-lends die Mährgen der alten Weiber erzählet, ge-rade als wenn die Naturgeschichte an Lügen Man-gel lit.

Die Archive der Arzneywissenschafr sind die Schrif-ten welche die Natur umfangen, durchdringen undihr gleich sind; die jeder Sache ihr eigenstes Licht,dem zweifelhaften seine Schatten, jeden, Zuge dieunverwerfliche Miene der Wahrheit geben: die derErfahrung durchaus getreu das wichtige ausdähnen,das deutliche verkürzen, das überflüssige verschwei-gen. Sie sind nicht auf die leichten Blätter geschrie-ben , die ein Tag gebiert, der Verstand verwirft,die Natur mißkennt, die Zeit zerbläst; sie sind aufehrne Tafeln gegraben ein währender Schatz, einlebendes Bild der Natnr.

Aus diesen vor der Vergänglichkeit gesicherten Ar-chiven fliesten die Göttersprüche, die gedankenschwerohne Zweydeutigkeit, deutlich ohne Unischweif, tief,sinnig ohne Dunkelheit, der Natur Geheimnisse er-öfnen, das vergangene erklären , das gegenwärtigebeleuchten, und das künftige verkünden. RichtigeBeobachtungen und aus denselben gezogene gleich-richtige Schlüsse sind auf dem verworrenen Pfadein sicherer Leitstern , und bis an die hellen Höhendie Hippocratcs und Sydenham, und Boerhaave,