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erstes Capitel.
türliche Classe gehören, wenn sie der Kräuterken-ner mit botanischen Augen ansieht. Nichts be-stimmet den Unterschied zwischen dem unflätigenAuge eines Neugierigen und dem starren Blicke ei-nes prüfenden Beobachters, so sehr als die Auf-merksamkeit.
Sie wird durch die Vortheile vermehrt die manim beobachten findt. Dieser staunende Anblick derin währender Vorstellung unsere ganze Seele ein-nimt, muß durch das unsichtbare Feuer einer ver-deckten Leidenschaft unterhalten seyn. Die unwi-derstehliche Sehnsucht nach seiner Vervollkomm-nung , die Liebe zur Wahrheit und zum einzigenguten, ist die beseelende Leidenschaft, durch die al-lein der Mensch z» dieser Vcrvollkomnung gelanget.Wer diesen Vortheil allein sucht, ist in seiner Auf-merksamkeit ungemein gestärket. Unverdrossen merkter auf alles was ihn umgiebt , er ist voll Gefühlfür alles was er seiner Aufmerksamkeit würdig glaubt,feurig in der Empfindung und in der Anordnungkalt; die Liebe zur Wahrheit ist die einzige unpar-theyische Leidenschaft. Wer das unselige Schicksalhat unter vielen schlechten Köpfen zu leben, gewöhntsich zwar an die Empfindung des schlechten so wohl,daß er es allerorten sieht wo es ist; aber eben dieseLiebe zur Wahrheit macht daß er auch das gute sieht,wo es niemand vermuthet. Die Weiber sehen sehrviele Dinge die wir nicht sehen, weil sie einen weitgrösser»Vortheil haben sie zu sehen; seine Beobach-tungen sind darum nur insofern die Wissenschaft der