n4 Dritres Buch,
ficht bey der Durchlcsung der oft fo verworrenen undmit dem philosophischen Geiste nicht verfaßten Wer-ke der Geschichtschreiber, ohne die äusserste Sorgfaltdiese Scharfsicht auf keine Weise zu hemmen, wirdniemand ein würdiger Zuschauer der Thaten der Vor-welt seyn, noch das gewisse von dem wahrscheinli-chen , das wahrscheinliche von dem möglichen , dieStärke und Schwäche der Zeugnisse, und die eigent-liche Beschaffenheit der Bcgegnisse unterscheiden.Man wird die Schicksale der Völker aus ihren er-sten Ursprüngen nicht leiten, die Absichten, die Hülfs-mittel , die Folgen der Begebenheiten nicht entwi-keln, die Einflüsse der kleinsten Dinge in die grö-sten, in allem das wesentliche nicht finden. Manwird an dem unwichtigen und kleinen sich halten,und das wichtige und grosse, dasjenige was einenEinfluß auf das Ganze hat , verabsäumen. Manwird die Anfänge von Knechtschaft und Freyheit,die Ursachen der Blüthe, der Reife, der Abnahmeund des Falles der Künste, der Wissenschaften,der Religionen und der Staaten nicht bemerken.Man wird bis an den Geist der Gesetze, Einrich.tungen, Gebräuche und Gewohnheiten glücklicherNationen, bis an die eigentlichen Quellen ihresWohlseyns nicht hinauf steigen, wenn man die Sit-ten und die Zeiten nach ihren Merckmalen und Un-terscheidungszeichen , die Welt in ihrem wahren Lich.te nicht sieht. Ohne den ungemeinsten Beobachtungs-geist ließt niemand die Geschichte wie Montesquieuund schreibt sie wie Hume.