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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / Joh. Georg Zimmermann
Entstehung
Seite
128
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erstes Capitel. n?

Ein Staatsmann verfehlt ohne den Beobachtkngs-geist seinen Zweck. Niemals wird er sich zu derTheorie der Glückseligkeit ganzer Staaten oder bür-gerlicher Gesellschaften erheben, wenn die Merkma-le und die Hindernisse derselben nach ihren Unter-scheidungszeichen , Folgen und Ursachen aus denrichtigsten Beobachtungen in seinen Kopf nicht ge-graben sind. Die zahllosen Begegnisse in dem Kör-per des Staates zu keimen , die Kunst das Wohl-seyn desselben zu erhalten, die schädlichen Einflüsseund die drohenden Gefahren von aussen zu hemmen/den innwcndigen Krankheiten von ferne zu steurcn,die gegenwärtigen zu heilen, die unheilbaren zu lin-dern , und am meisten die wahre Zeit, das wahreMaaß , und die eigentliche Starke der Mittel zuwissen, lodert eine weit über die schalen Begriffe despolitischen Practici gehende Scharfsicht. Der Staats-mann wird die Absichten anderer niemals errathen,er wird ihre Neigungen niemals nach seinen Absich-ten lenken , er wird niemals wissen was er öffent-lich, was er heimlich, was er in der Dämmerungverrichten soll. Er wird immer auf Kunstgriffe eherfallen als auf die Kunst , immer auf die Methodedes falschen eher als auf die Methode des wahren,wenn er das menschliche Herz unter alle» seinenVerwicklungen und blendenden Gestalten nicht durch-dringt.

Anfdie Kunst wohl und geschwind zu sehen bautder General sein ganzes Glück. Er muß geschickteMärsche zu machen alle Vortheile und Nachtheile